Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Roisdorfer Mineralquelle 
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Rosenblätter 
männlichem dickeres, dunkelfarbiges, mit enger 
stehenden Knoten versehenes R. zu Spazier 
stöcken verstanden wird. Das rohe R. hat noch 
seine ringförmigen Knoten, die beim gereinigten 
durch Schaben oder durch Schleifen auf be 
sonderen Maschinen entfernt worden sind. Das 
nicht in ganzen Stäben zu verwendende R. wird 
in Fabriken durch Zerschneiden, Spalten, Hobeln 
und Ziehen in die verschiedenen Gebrauchs 
formen, Stuhl-, Korsettrohr, Rieten für Web 
stühle usw. gebracht. Die dünnsten, schnuren 
förmigen Streifen beißen Schnur- oder Putz 
rohr und dienen in der Putzmacherei als steifen 
des Material. Die hellsten Sorten Stuhlrohr wer 
den durch Schwefeldämpfe gebleicht. Peddig 
rohr besteht aus dünnen Stäbchen, die aus dem 
Marke der gleichen Calamusarten hergestellt sind 
und zur Korbflechterei Verwendung finden. — 
2. Eine andere Sorte, sog. spanisc hesR., stammt 
von der größten europäischen Grasart, Arundo 
donax, die in ganz Südeuropa heimisch ist. 
Es wird auch Pfahlrohr oder Schalmeirohr 
genannt und zu ähnlichen Zwecken verwandt, wie 
die asiatische Ware. — 3. Das gemeine Teich 
rohr (Schilf-, Decken-, Dachrohr, Rohr 
schilf) von Phragmites communis dient 
hauptsächlich zum Berühren von Zimmerdecken 
und zur Anfertigung von Wänden, Rohrmatten 
zum Belegen der Frühbeetfenster u.dgl. Der 
Ertrag beläuft sich je nach der Dichtigkeit des 
Standes für den Plektar Teich oder Seeufer auf 
120—300 Gebinde von 75—80 cm Umfang. Hier 
von wird aufgebunden als Dachrohr 25—35 %, 
als Mauerrohr 45—60%. Der Rest ist Streu. 
Roisdorfer Mineralquelle bei Bonn enthält 
in 1000 Gevvichtsteilen: 0,9821g Natriumbikar 
bonat, 0,3086 g Kalziumbikarbonat, 0,3497 S Mag 
nesiumbikarbonat, 0,0029 S Ferrokarbonat, 
1,8423 g Chlornatrium, 0,4638 g Natriumsulfat, 
0,0092 g Kieselsäure und 1,3183g freie Kohlen 
säure. 
Rokzellin, ein dem Echtrot (s.d.) nahestehen 
der Azofarbstoff, besteht aus dem Natriumsalze 
des o-Naphtylaminsulfosäureazo-ß-Naphtols. 
Romadurkäse, auch Romatour, Rahmatour 
genannt, ist ursprünglich ein echter Fettkäse 
mit 22,78 °/o Protein und 20,66% Fett, wird aber 
neuerdings im Allgäu auch nach Art des Back 
steinkäses aus Vollmilch oder teilweise entrahm 
ter Milch hergestellt. 
Roob (Rob) ist eine alte arabische Bezeich 
nung für Dicksaft oder Mus, die hauptsächlich 
für folgende pharmazeutische Zubereitungen noch 
in Gebrauch ist: Roob antisyphiliticus für Siru- 
pus sarsaparillae; R. dauci für Möhrensaft; R. 
ebuli, Attichdicksaft; R. juniperi, Wacholder 
saft; R. sambuci, Holundersaft; R. sorborum, 
Ebereschenmus; R. spinae cervinae, Kreuzbeer 
mus. 
Roquefortkäse, ein berühmter Hartkäse, der 
seinen Namen von dem Dorfe Roquefort im Depar 
tement Aveyron trägt, wurde früher aus Schaf- und 
Ziegenmilch hergestellt, während man jetzt nur 
noch Schafmilch benutzt. Die unabgerahmte 
Milch wird mit Lab oder Waldartischocke 
(Cinara scolymus) zum Gerinnen gebracht, der 
Bruch mit verschimmeltem Brot in durchlochte 
Töpfe geschichtet und der Reifung überlassen. 
Hierbei bedecken sich die Käse zuerst mit einer 
gelben und rötlichen Kruste, darauf mit einer 
weißen Schimmelwucberüng, die abgekratzt wird. 
In 30—50 Tagen verliert der JCäse 28—30% an 
Gewicht und enthält dann: 31,6-% Wasser, 
26,5% Protein, 33,1% Fett, 3,2% Milchzucker 
und s,6% Asche. Er kommt in Stanniol gehüllt 
in den Verkehr. 
Rosamine nennt man eine Reihe roter, gelb 
fluoreszierender Xanthenfarbstoffe, welche durch 
Einwirkung von Benzotrichlorid auf alphylierte 
m - Aminophenole entstehen. Ihre Zusammen 
setzung entspricht der Formel C 6 H 5 .C(C 6 H 3 . 
NH 2 ) 2 . OC1, d. d. derjenigen eines Pyronins, in 
welchem die CH - Gruppe durch die Gruppe 
C . C e H 6 ersetzt ist. 
Rosanilin (Rosanilinhydrat, Triamido- 
diphenyltolylkarbinol), C 20 H 21 N 3 O, ist die 
den eigentlichen Anilinfarben im engeren Sinne 
zugrunde liegende Base und Wird daher im 
Handel auch Rosanilinbase genannt. Man 
erhält sie, wenn man ein Rosanilinsalz, also' 
z. B. Anilinrot (Fuchsin) mit Ammoniak oder 
Natronlauge zersetzt, in Form weißer Kristall 
nadeln, die sich durch Spuren einer Säure, ja 
selbst schon durch die Kohlensäure der Luft 
röten. Durch Behandlung mit Säuren entsteht 
wieder Anilinrot. — Die dem R. ähnliche Base, 
das Pararosanilin, Triamidotriphenylkarbinol, 
liefert, mit Säuren Parafuchsin. 
Rose bengale ist der Name einiger Phtalein- 
farbstoffe, die Wolle bläulichrot färben, als 
braune bis braunrote Pulver in den Handel kom 
men und in Wasser mit roter Farbe ohne Fluor 
eszenz löslich sind. Rose bengale N wird 
durch Einwirkung von Jod auf Dichlorfluoreszein 
erhalten und besteht aus Alkalisaben des Tetra- 
joddichlorfluoreszeins; Rose bengale B wird 
durch Einwirkung von Jod auf Tetrachlorfluor- 
eszein dargestellt und besteht aus dem Kalisalze 
des Tetrajodtetrachlorfluoreszeins. 
Rosein. Diesen Namen führte eine Zeitlang 
das Fuchsin, ebenso auch das Mauvein. 
Rosenblätter (lat. Flores rosarum, frz. Fötales 
de roses, engl. Rose-flowers). Die Blumen 
blätter von bei uns gezogenen Rosen, die einen 
nicht unbedeutenden Gegenstand des Drogen 
handels bilden, entstammen der Zentifolie (Rosa 
centifolia), ferner der roten oder Essigrose 
(R. gallica) und der dunkelroten Damas 
zener Rose (Rosa damascena). Die Zenti 
folienblätter (lat. Flores rosarum incarnatarurn 
seu pallidarum) werden nach völliger Aufschlie 
ßung der Blüten ohne die Kelche abgenommen 
und entweder rasch an der Sonne getrocknet 
oder frisch mit Salz eingelegt (lat. Flores 
rosarum in sale). Durch das Trocknen geht ein 
Teil des Duftes und die rein rote Farbe ver 
loren, der übrigbleibende schwache Geruch ist 
aber sehr angenehm. Die eingesalzenen Blätter 
behalten ihr Rot. Die Blätter der roten und der 
Damaszener Rosen (lat. Flores rosarum rubra- 
rum seu damascenarum) werden von Knospen 
genommen, die eben im Aufbrechen begriffen 
sind. Man pflückt sie bei sonnigem Wetter und 
zwickt mit einer Schere dein rotgefärbten Ted 
ab, so daß der untere gelblich gefärbte ver 
schmälerte Boden der Knospe, der sog. Nageh 
mit dem Kelche in Wegfall kommt. Die Knospen 
werden unaufgerollt im Schatten getrocknet, ver-
	        
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