Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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erschlossen,  neue  Industrien  ins  Leben  gerufen,  die  von  den  Banken
durch  Kreditgewährung  unterstützt  wurden.  Dies  hatte  eine  Vermehrung
der  Banken  und  eine  Vergrößerung  des  Kapitals  der  bestehenden  Bankinstitute ­
  zur  Folge.
Für  Verstärkung  der  Militärmacht,  Bau  von  öffentlichen  Gebäuden,  für
Anlegung  von  Land-  und  Wasserstraßen  benötigten  die  Staaten  jahraus
jahrein  neue  Mittel.  Die  Zahl  der  Staatsanleihen  und  die  Höhe  der  Staatsschulden
  ist  infolgedessen  dauernd  im  Steigen  begriffen.  Effekten  sind  die
beste  Form  der  G  e  l  d  b  e  s  ch  a  f  f  u  n  g  und  die  bequemste  Form  der  K  a  p  i  -
talanlage.  Die  Kursnotierungen  der  Börsen,  die  anderen  Besitzern
Aufschluß  über  den  Marktwert  gewähren,  haben  immer  mehr  und  mehr
dazu  beigetragen,  dem  Sach-  oder  Geldkapital  die  Effektenform  zu  geben.  —
Ausgegangen  von  kleinen  Anfängen,  mit  dem  Wechselhandel  beginnend,
ist  die  Börse  allmählich  das  geworden,  was  sie  heute  ist,  ein  Mittelpunkt ­
  des  gesamten  geschäftlichen  Lebens,  eine
Zentralstelle,  an  der  die  jeweils  müßigen  Kapitalien  des  betreffenden
Landes  und  auch  fremder  Länder  sich  konzentrieren,  und  von  der  aus  sie
auch  wieder  nutzbringende  Verwendung  finden.  An  der  Börse,  als  dem
Brennpunkte  aller  Marktbeziehungen,  treten  naturgemäß  die  Einflüsse
äußerer  Ereignisse  auf  das  Wirtschaftsleben  am  deutlichsten  in  Erscheinung.
Je  größer  die  Börse,  um  so  besser  ist  es  für  den  wirtschaftlichen  Betrieb
des  Landes,  so  äußerte  sich  einmal  Georg  von  Siemens.  Bei  allen
durch  die  Politik  bedingten  wirtschaftlichen  Veränderungen  sei  eine  leistungsfähige
  Börse,  die  „im  Frieden  die  Stelle  der  Armee  im  Kriege  vertrete", ­
  ein  unentbehrliches  Machtmittel.  Eine  kluge  Regierung  wird  dieses
Machtmittel  benutzen,  um  ihren  Freunden  Mittel  zuzuwenden  und  ihren
Gegnern  diese  zu  entziehen.  —  Nicht  Selbstzweck  ist  die  Börse,  sondern  eine
Einrichtung  im  Dienste  der  Versorgung  öffentlicher  Verbände ­
  und  Unternehmungen  mit  Kapital.
Die  Börse  ist  ein  Spiegelbild  der  wirtschaftlichen  Vorgänge.  Aus  den
Kursen  ersieht  man  die  öffentliche  Meinung  über  die  gute  und  schlechte
Verwaltung  der  Staaten,  Gesellschaften,  Verbände  usw.  Aus  den  Kursen
lassen  sich  Schlüsse  ziehen  auf  die  allgemeine  politische  Lage,  auf  das  Gedeihen ­
  oder  Daniederliegen  von  Handel  und  Industrie.  Die  Veröffentlichung ­
  der  Kurse  gibt  jedem  Besitzer  von  Effekten  die  Möglichkeit,  seinen
Effektenbestand  täglich  zu  bewerten.
            
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