Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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damer  Advokat  den  R  e  g  i  st  e  r  z  w  a  n  g  für  alle  Geschäfte  in  Aktien  vor.
Wer  die  Registrierung  nicht  bewirke,  solle  eines  jeden  Rechtsanspruches
aus  dem  Geschäft  verlustig  gehen.  Die  damaligen  Gesetzgeber  konnten  sich
aber  zu  einem  Gesetz,  durch  das  Treu  und  Glauben  im  kaufmännischen
Verkehr  in  d  e  r  Weise  verletzt  werden  würde,  nicht  entschließen.
Die  Technik  der  Amsterdamer  Börsengeschäfte-  schildert  in  anschaulicher
Weise  eine  im  Jahre  1688  erschienene  Schrift  von  Don  Joseph  de  la
Vegai).  Vom  Aktienhandel  wirb  gesagt,  er  sei  „ein  Auszug  aller  Betrügereien,
ein  Schatzgräber  von  nützlichen  Dingen  und  doch  ein  Herd  des  Unheils".  Drei
Arten  der  Käufer  unterscheidet  der  Verfasser:
1.  die  vornehmen  und  ruhigen  Kapitalisten,  die  sich  um  den  Kurs  nicht  bekümmern ­
  und  nur  Dividende  beziehen  wollen,
2.  die  Kaufleute,  die  Aktien  kaufen,  in  der  Hoffnung,  sie  später  wieder  mit
Nutzen  verkaufen  zu  können,  und
3.  die  Spieler,  die  das  Kaufgeld  häufig  schuldig  bleiben  und  die  Geschäfte
nötigenfalls  prolongieren.
Den  Besitzern  von  Wertpapieren  werden  viele  gute  Ratschläge  erteilt,  z.  B.,
daß  man  jeden  Gewinn  ohne  Zögern  mitnehmen  und  nachher,  wenn  das  Papier
noch  weiter  steigt,  keine  Reue  empfinden  solle;  man  solle  die  Aktien  nicht  zu  lange
festhalten,  sich  mit  ihnen  nicht  „verheiraten".  Die  Gewinne  aus  dem  Börsenspiel
seien  Koboldgeschenke,  Karfunkel  st  eine,  Kiesel  und  Morgentau.
Ein  Kurszettel  der  Amsterdamer  Börse  aus  dem  Jahre  1747  meldet
Kurse  für  44  verschiedene  Wertpapiere;  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts
war  ihre  Zahl  auf  110  gestiegen.  Nach  der  Eroberung  Hollands  durch
die  Franzosen  erfolgte  ein  rascher  Niedergang  der  Amsterdamer  Börse.
Mittelpunkt  des  internationalen  Fondsverkehrs  wurde  unter  dem  Einfluß
der  Rothschilds  und  Bethmanns  die  Frankfurter  Börse.
Über  die  heutige  Amsterdamer  Börse  s.  Abschnitt  X.
4.  Entwicklung  der  deutschen  Börsen
In  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  entstanden  Börsen  in  Augsburg ­
  und  Nürnberg,  in  der  zweiten  Hälfte  in  Hamburg  und  Köln,  im
Anfang  des  17.  Jahrhunderts  in  Königsberg,  Lübeck,  Frankfurt  a.  Mund
  Leipzig.  Die  Haupthandelsobjekte  an  diesen  Börsen  wie  an  der  in
den  ersten  Jahrzehnten  des  18.  Jahrhunderts  gegründeten  Berliner
Börse  waren  Wechsel.  Die  gleichen  Kaufleute,  die  zusammenkamen,
i)  Von  dieser  Schrift:  „Die  Verwirrung  der  Verwirrungen",  liegt  eine  Übersetzung ­
  von  Otto  P  r  i  n  g  sh  e  i  m  vor  sBreslau  1919).
            
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