Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

Etwas  gehalten  wurde  der  Kurs  des  Silbers  durch  die  B  l  a  n  d  b  i  l  l  vom
28.  Februar  1878,  die  bestimmte,  daß  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika
monatlich  für  2—4  Millionen  Dollar  Silber  angekauft  werden,  und  daß  die
hieraus  geprägten  Münzen  als  gesetzliches  Zahlungsmittel  für  alle  die  Verbindlichkeiten ­
  gelten  sollten,  bei  denen  nicht  ausdrücklich  Zahlung  in  Gold  vorgeschrieben ­
  war.  Da  es  sich  jedoch  als  unmöglich  herausstellte,  so  große
Mengen  Silbergeld  im  Umlauf  zu  halten,  wurde  später  beschlossen,  auf  der
Grundlage  geprägter,  nicht  in  den  Verkehr  gebrachter  Silberdollars  Silberzertifikate ­
  auszugeben.  Als  trotz  dieser  Maßregeln  der  Silberpreis  weiter  fiel,
wurde  am  14.  Juli  1890  die  Blandbill  durch  die  Shermanbill  —  benannt
nach  ihrem  Antragsteller,  dem  Senator  Sherman  —  ersetzt.  Diese  besagte,  der
Schatzsekretär  habe  monatlich  4Ur  Millionen  Unzen  (1  Unze  —  31,1035  Gramm)
Silber  in  Barren  anzukaufen.  Für  das  Silber  wurden  Schatzscheine
(treasur^  notss)  in  Beträgen  von  1—1000  Dollars  ausgegeben.
Als  dann  Indien  durch  die  Silberentwertung  in  immer  größere  Bedrängnis
gekommen  war  und  infolgedessen  1893  seine  Münzstätten  für  die  private  Silberprägung
  geschloffen  hatte,  da  erkannte  auch  der  Kongreß  der  Vereinigten  Staaten
von  Amerika,  wie  verhängnisvoll  es  für  die  Finanzen  des  Landes  sei,  wenn  die
Vereinigten  Staaten  noch  weiterhin  für  ihr  gutes  Gold,  das  aus  dem  Lande
wanderte,  minderwertiges  Silber  erhielten.  Allein  von  allen  Staaten  den
Silberwert  zu  halten,  war  für  die  Vereinigten  Staaten  nicht  möglich,  und  so
hoben  sie,  trotz  des  heftigen  Widerstandes  der  Silberpartei,  am  1.  November  1893
die  Shermanbill  auf.  Durch  Gesetz  vom  14.  März  1900  wurde  die  Goldwährung
in  den  Vereinigten  Staaten  eingeführt.
Der  Siegeszug  der  Goldwährung  hatte  vor  der  chinesischen  Mauer  haltgemacht.
In  China  bildete  das  Silber  weiter  die  Grundlage  der  Währung. ­
  Als  aber  im  Jahre  1935  infolge  der  durch  die  Silberankaufspolitik  des
amerikanischen  Schatzamts  ausgelösten  Silber-Hausse  starke  Silberabzüge  aus
China  erfolgten,  entschloß  sich  im  November  1935  die  chinesische  Regierung  zur
Aufgabe  der  S  i  l  b  e  r  w  ä  h  r  u  n  q.  Gesetzliches  Zahlungsmittel  sind  nur
noch  Banknoten.
h>)  Goldwährung  und  Goldkern  Währung
Goldwährung  besteht,  wenn  Gold  frei  ausprägbar  ist  und  die  Goldmünzen ­
  ohne  Rücksicht  auf  die  Höhe  des  Betrages  zur  Tilgung  von  Schulden ­
  verwendet  werden  können,  die  in  Gold  ausgedrückt  sind  oder  in  Gold
umgerechnet  werden.  Als  gesetzliches  Zahlungsmittel  (der
Begriff  ist  weiter  als  der  des  Währungsgeldes)  können  auch  die  in  Goldmünzen ­
  einlöslichen  Banknoten  dienen.  Sie  sind  dann  nicht  Währungsgeld, ­
  sondern  „Provisorisches"  Geld,  das  in  Währungsgeld,  also  „definitives" ­
  Geld  umgetauscht  werden  kann.  Die  Silbermünzen,  die  außerdem
            
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