Object : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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bnndsgedanke  hatte  aber  schon  so  ties  Wurzel  in  ben  Inter
essente»  kreisen  sowohl,  als  in  der  öffentlichen  Meinung  gefaßt,
daß  von  einer  eigentlichen  offenen  und  aktiven  Opposition
nicht  mehr  die  Rede  war.
Zwischen  der  ersten  Ganger  Versammlung  vom  19.  Dezember ­
  1884  bis  zur  definitiven  Konstituirnng  am  14.  Juli
1885  lagen  genau  sieben  Monate.  In  diesem  Zeitraum  er
folgte  die  völlige  Umwandlung  der  produktiven  Anarchie  einergroßen
  Industrie  in  eine  wohlorganisirte  Regelung  der  Produk
tion:  in  dieser  kurzen  Periode  wurde  die  Einigung  aller  Ele
urente,  Arbeitgeber,  Arbeitsvermittler  und  Arbeitnehmer  zu  einer
einzigen  Berufsorganisation  geschaffen,  entgegen  der  ansang
lieh  tief  eingewurzelten  Neigung,  eine  Organisation  für  den
Kampf  der  einen  Klasse  gegen  die  andere  zu  schaffen.  Dies
erwägend,  wird  man  der  geschickten  und  energischen  Thätig
feit  der  Initianten  lobend  zrl  gedenken  haben,  anderseits  aber
auch  des  guten  Willens,  der  Einsicht  und  eines  kräftigen  Gemein
und  Ordnungsgefühls  aller  Interessenten,  vom  ärmsten  Sticker
weg  bis  zum  Kaufmann.  Das  so  oft  mißbrauchte  Wort:
„Alle  für  Einen  und  Einer  für  Alle"  schien  in  Wirklichkeit
über  dieser  Gründling  zu  schweben.  Das  war  auch  das  Gefühl
der  großen  Mehrzahl  der  Arbeitnehmer,  welche  zum  ersten
Male  wieder  seit  langer  Zeit  mit  einigem  Vertrauen  in  die
Zukunft  blickte.  Man  hatte  das  beruhigende  Bewußtsein,
einen  festen  Ankergrund  und  Haltpunkt  in  den  bewegten,
sturm-  und  drangvollen  modernen  Produktions-  und  Absatz
Verhältnissen  geschaffen  zu  haben,  weiln  man  sich  auch  über
die  klingenden  Wirkungen  des  Verbandes  ans  die  Einzelnen
noch  im  Unklaren  befand.
            
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