Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

Nach der E.rfüllungszeit unterscheidet man: 
a) Geschäfte „per Kassa". Als solche gelten Geschäfte, die ausdrücklich 
„per Kassa", sowie Geschäfte, die in Börsenwerten abgeschlossen sind, die nicht 
in das Arrangement einbezogen sind und bei deren Abschluß ein Fälligkeits 
termin nicht vereinbart worden ist. Kassageschäfte sind am 2. Tage nach dem 
Abschlußtage direkt zu erfüllen. 
b) Geschäfte „Per Arrangement". Sie sind an dem Ausgabetag, der 
dem Abschlußtage zunächst folgt, zum Arrangement aufzugeben. 
es Geschäfte „auf einige Tage Lieferung". Diese Geschäfte sind 
direkt, und zwar spätestens am 5. Tage nach dem Abschluß, zu erfüllen. 
2. Die Pariser Börsen 
Der Ursprung einer Börse in Frankreich läßt sich bis in die ersten Jahre des 
16. Jahrhunderts zurückverfolgen. In einem Edikt vom Jahre 1549, das die Er 
öffnung einer „bourse eomwune" in Toulouse anordnete, heißt es: „Da unsere 
gute Stadt Toulouse zum Handel sehr geeignet ist, soll sie, wie Lyon, Ant 
werpen und andere Handelsstädte, einen Ort erhalten, den man Change, Estrade 
oder Bourse nennt, wo zweimal am Tage die Kaufleute zusammenkommen kön 
nen, um gegenseitig über ihre Geschäfte zu verhandeln." 
Die Pariser Börse ist nach einer in der Börse befindlichen I«' 
schrift bereits 1672 begründet worden. 1724 erst erhielt sie amtlich aner 
kannten Charakter. Das heutige, im Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute 
Börsengebäude mit seiner weithin leuchtenden Inschrift „La Bourse" ist 
eine Nachbildung des Vespasiantempels in Rom. 
Der amtliche Börsenverkehr findet werktäglich zwischen 12 und V»l6' 
Sonnabends zwischen 12 und 14 Uhr statt. Der Zutritt zur Börse ist allen 
männlichen Personen gestattet. Charakteristisch ist die Zweiteilung in 
„marchö offieiel" (parquet) und „marche libre" (auch marche en banque 
oder Coulisse genannt). Jeder dieser Märkte hat seine eigene Verwaltung 
und seinen besonderen Kurszettel. 
r) Schrifttum: F. Ehrensperger, Die Pariser Börse und die franzö 
sischen Bankinstitute. Zürich 1926. A. Hamburger, Le Guide piatique de 1® 
Bourse, Paris 1913. Henri Montarnal, Manuel des op^rations ä« 
banque et de bourse. Paris 1926. S. Robert-Milles, La grammaire de 
la bourse, Paris 1925. ®. SSt bol, La Bourse des valeurs mobileres, Paris 1916' 
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