Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Besteht  das  Recht  zu  wählen,  in  Gold  oder  in  Silber  zu  zahlen,  so  wird
jeder  in  dem  Metall  zahlen,  das  für  ihn  am  vorteilhaftesten  ist,  und  es  wird
zu  den  Münzstätten  nur  die  Metallart  zur  Ausprägung  gebracht  werden,
die  auf  dem  Markte  niedriger  notiert,  als  das  gesetzliche  Wertverhältnis  ist.
Die  Doppelwährung  raubt  mit  dem  Wechsel  des  Wertverhältnisses  von
Gold  zu  Silber  dem  Lande  entweder  die  Gold-  oder  die  Silbermünzen.
Der  „gute"  Geldstosf  würde  regelmäßig  ins  Ausland  gehen,  zum  Thesaurieren
  oder  für  industrielle  Zwecke  verwendet  werden  und  nur  das  geringwertige ­
  Geld  im  Lande  bleiben.  Die  wirtschaftlich  geschulten  Anhänger  der
Doppelwährung  sind  sich  auch  stets  darüber  klar  gewesen,  daß  die  Einführung
der  Doppelwährung  nur  durch  ein  internationales  Abkommen
sWährungsvertrag)  aller  großen  Staaten  der  Welt  erfolgen  könnte.
Durch  Zulassung  beider  Metalle  zur  freien  Prägung,  sagen  die  Bimetallisten,
werde  der  Geldumlauf  und  der  Preis  der  Edelmetalle  automatisch  geregelt  werden.
„Das  Ziel  jeder  vernünftigen  Währungspolitik  muß  darauf  gerichtet  sein,  den
Wertmesser  Geld  wenigstens  unveränderlich  zu  gestalten  und  namentlich  die
Valuta  in  ein  festes  und  unwandelbares  Verhältnis  zu  den  Valuten  anderer  Länder
  zu  bringen"  sA  r  e  n  d  t).
Hiergegen  wenden  die  Gegner  der  Doppelwährung  ein,  es  sei  unmöglich,  daß
zwei  Metalle  stets  den  gleichen  Wert  behielten,  und  wenn  sich  ihr  Wert
ändere,  ihre  Veränderlichkeit  stets  gleichen  Schritt  halte.  In  seinem  Werke
„Reichsgold"  führt  Bamberger  aus,  daß  solche  „irrige  Voraussetzungen"
gerade  beim  Gelde  soviel  Unheil  anrichten  können.  „Es  ist  bekannt,  daß,  wo  Gelegenheit ­
  gegeben  ist,  unter  demselben  Namen  zweierlei  Geld  zu  verwenden,  stets
das  wertvollere  verschwindet  und  das  wertlosere  im  Umlauf  bleibt.  Auch  hier
schwimmt  das  leichtere  immer  oben.  Wer  unter  demselben  Namen  zweierlei  Dinge
geben  kann,  wird  stets  das  minderwertige  geben."
Um  ein  stabiles  Wertverhältnis  zwischen  Gold  und  Silber  zu  schaffen,
müßte  die  Silberproduktion  und  das  Silberangebot  reguliert  werden,  und
alle  wichtigeren  Wirtschastsländer  müßten  sich  der  Währungsvereinbarung
anschließen.  Da  dies  praktisch  nicht  durchführbar  ist,  sind  die  Forderungen
der  Bimetallisten  abzulehnen.
Das  bekannteste  Beispiel  einer  internationalen  Doppelwährung  ist  der
im  Jahre  1865  abgeschlossene  Vertrag  zwischen  Frankreich,  Belgien,  Italien
und  der  Schweiz  Lateinische  Münzkonvention),  dem  1868  noch
Griechenland  beigetreten  ist.  Aus  1  kg  rauhen  Goldes  ( 9 /i 0  fein)  wurden ­
  3100  fr  Goldmünzen,  aus  1  kg  rauhen  Silbers  ( 9 / 10  fein)  200  fr-Silbermünzen
  geprägt.  Silber:  Gold  stand  somit  in  dem  gesetzlich  sest-
            
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