Dichtung.
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licher auch die Hauptmanns ist, so bleibt doch bei alledem
gewiß, daß die letzten Dramen beider Dichter gleichmäßig die
Absicht zeigen, die dramatischen Konflikte sittlich zu vertiefen:
fern schon stehen sie ihrer inneren Form nach dem rein physio—
logischen oder psychologisch-impressionistischen Drama, und
auch die äußere Form, obwohl sie grundsätzlich und jetzt
namentlich auch bei Sudermann rein impressionistisch ist,
zeigt doch schon starke Spuren der Ummodelung nach den
inneren Bedürfnissen.
Es ist eine Wandlung, wie wir sie auch in der Zunahme
philosophischer, wenn auch teilweis noch recht mystischer Lyrik
beobachten konnten, wie sie nicht minder in der steigenden
Durchsetzung unserer Kunsterzählung mit ethischen und sogar
metaphysischen Problemen, sowie in der Entwicklung einer
kräftig wachsenden Heimatskunst vorliegt: sie führt unmittelbar
hinein in die jüngsten Kämpfe um eine neue Sittlichkeit und
um einen neuen Glauben.