Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

48

Für  die  Jndexwährung  erklärte  sich  auch  Präsident  R  o  o  s  e  v  e  l  t,  als  er  auf
der  Londoner  Weltwirtschaftskonferenz  1933  verkünden  ließ:  „Die  Vereinigten
Staaten  wollen  einen  Dollar  schaffen,  der  für  die  Dauer  einer  Generation  die
gleiche  Kaufkraft  und  die  gleiche  Zahlungskraft  für  Schulden  hat."
Ähnliche  Gedanken  vertritt  I.  M.  K  e  y  n  e  s  mit  seiner  „gesteuerten
Währung"  („managed  currency“).  Die  Stabilität  des  Wirtschaftslebens
ist  abhängig  von  einer  Stabilisierung  des  inneren  Preisniveaus.  Die  Einflüsse ­
  der  Goldwertschwankungen  müssen  daher  ausgeschaltet  werden.  Da
die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  —  die  die  größten  Goldvorräte  der
Welt  besitzen  und  als  Hauptgläubigerland  Zielpunkt  ständiger  Goldwanderungen ­
  sind  —  schon  heute  faktisch  den  Goldwert  manipulieren 1  2 )  müssen
[„manipulierte  Währung"!,  möchte  Keynes  eine  Weltwährung
fPapierdollar-  nicht  Goldwährung),  neben  der  nur  die  Pfundwährung  berechtigt ­
  sei,  schaffen.  Für  alle  anderen  Staaten  sei  nur  eine  reine  Devise ­
  n  v  a  l  u  t  a  am  Platze,  die,  auf  der  Grundlage  des  Dollars  und  des
Pfundes,  die  kurzfristigen  Schwankungen  der  Wechselkurse  zu  beseitigen
vermag.
Abgesehen  von  den  Schwierigkeiten,  eine  wirklich  zuverlässige  Preisindexziffer
  zu  finden  —  ihre  Revision  würde  immer  von  neuem
Unruhe  in  die  „stabile"  Währung  bringen  —,  müßte  auch  eine  internationale
  Verständigung  vorausgehen,  die  bei  den  natürlichen  Gegensätzen
zwischen  Rohstoff-  und  Verarbeitungsländern  in  bezug  auf  die  Bedeutung
der  einzelnen  Warengruppen  für  den  Index  kaum  zu  erreichen  sein  wird.
In  den  letzten  Jahren  wird  besonders  in  der  Schweiz  Propaganda
für  die  von  Silvio  Gesell  vorgeschlagene  „F  r  e  i  g  e  l  d"  -  oder
„S  ch  w  u  n  d  g  e  l  d"  -  W  ä  h  r  u  n  g  gemacht.
Ihr  Erfinder,  Silvio  Gesell,  will  ein  Papiergeld,  das  auf  Kosten  des
jeweiligen  Inhabers  dauernd  einen  Teil  seiner  Zahlkraft  einbüßt ­
  [daher  die  Bezeichnung  S  ch  w  u  n  d  g  e  l  d),  das  „F  r  e  i  g  e  l  d",  schaffen.
Ein  Reichswährungsamt,  „dessen  Einrichtung  in  einer  Presse  und  einem  Ofen
besteht",  gibt  ungedecktes,  uneinlösbares,  mit  Annahmezwang  versehenes  Papiergeld ­
  aus  und  verbrennt  das  für  währungstechnische  Zwecke  von  den  Steuer-1)

  A  tract  on  monetary  refonn,  London  1923;  deutsch:  Ein  Traktat  über
Währungsreform,  München  1924.

2)  Den  Wert  einer  Ware  manipulieren  heißt:  das  Angebot  in  ihr  nicht
der  freien  Konkurrenz  und  dem  Zufall  überlasten,  sondern  planmäßig  beeinflussen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.