Contents: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

60 
in die Volkswirtschaft einsetzt, muß ihnen unbedingt zugebilligt 
werden; und dieses zu erreichen ist eine Ehrenpflicht für alle, 
die an dem Aufbau des deutschen Volkes nach dem Zu 
sammenbruch mitarbeiten wollen. Denn ehe dieser Ausgleich nicht 
erreicht ist, wird es keinen Wirtschaftsfrieden geben, und wenn man 
ihn nur in Lohnerhöhungen und nicht im Wirtschaftssystem durch 
führen will, wird man keine Gewähr dagegen schaffen, daß nicht 
in einzelnen Zeitabschnitten sich die Wirtschaftskämpfe stets und 
ständig wiederholen. Es ist nicht zu verantworten, daß man die 
Erreichung dieses Ausgleiches im Wege des Wirtschaftskampfes ge 
währen läßt, und so muß man der Regierung den Vorwurf machen, 
daß sie, so sozialistisch sie sich gebärdet, so unsozial handelt. Die 
Verständigung kann nicht Einzelunternehmungen, auch nicht 
Industrie- und Arbeitergruppen überlassen werden, sie muß von 
einer sozialen Regierung und einem sozialen Parlament 
gesetzgeberisch erfolgen, damit sie für die ganze Wirtschaft 
Gemeingültigkeit hat. Im Kampfe geht immer viel mehr verloren, 
als durch Verständigung gewonnen werden kann. Schafft den 
Wirtschaftsfrieden, schafft ihn durch Gleichstellung der Arbeit mit 
dem Kapital und erschließt auf diese Weise eine neue Energie 
quelle in der Wirtschaft, der die Betätigungsmöglichkeit bisher 
eingeengt oder versagt war. Eine größere Energieentfaltung der 
Regierung ist da am Platze, wo es sich darum handelt, das Pro 
blem der wirtschaftlichen Freiheit für den arbeitenden Menschen 
zu lösen. Das muß der Hauptpunkt des Programms der Regierung 
sein, die ihre Pflicht zum Aufbau des deutschen Volkes erfüllen 
will. In das Reparationsprogramm gehört an erster Stelle 
die Produktionserhöhung der deutschen Wirtschaft 
hinein, die Produktionserhöhung auf Grund der Gleich 
berechtigung von Kapital und Arbeit und der Aner 
kennung des freien Wertes der Arbeit. 
Namentlich das muß an dem Regierungsprogramm bemängelt 
werden, daß es trotz äußerster Anspannung der Steuern den Etats- 
ausgleich der Notenpresse überläßt. Wenn der Etat nicht 
durch Einnahmen voll balanciert wird, dann haben die riesigen 
Steuererhebungen gar keinen Zweck, dann wird der endgültige Zu 
sammenbruch nur verschoben, um desto katastrophaler hereinzu 
brechen. Die Predigt der Regierung von Einschränkungen sollte 
sie in erster Linie befolgen. Die Ausgaben des ordentlichen Etats 
von 1920 sind in den Etat von 1921 einfach summarisch über 
nommen. Hier wäre gründliche Nachprüfung am Platze gewesen,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.