Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

von  yvQog  (Kreis),  der  Wechsel  macht  einen  Kreislauf  —  oder  Indossament ­
  —  d.  i.  das  in  dosso  (auf  der  Rückseite  des  Wechsels)  Geschriebene  —
genannt  wurde,  ein  Z  ahl  u  ngs  -,  ein  Ersatzmittel  für  Geld.
Die  Hauptbedeutung  des  Wechsels  liegt  heute  in  seiner  Eigenschaft  als
Kreditinstrument.  Der  Kaufmann  verkauft  lieber  „gegen  Dreimonatsakzept"
  als  gegen  „offenes  Ziel  3  Monate";  der  Zahlungstermin
wird  dadurch  genau  festgelegt  und  die  Schuld  dem  strengeren  Wechselrecht
unterstellt.  Der  Wechsel  ist  dem  Kaufmann  das  brauchbarste  Werkzeug  geworden, ­
  den  Kredit,  den  er  genießt,  zu  verwerten.  Der  Nehmer  des  Wechsels
weiß,  daß  er  ihn  schon  vor  dem  Verfalltage  durch  Diskontierung  bei
seiner  Bank  in  Geld  verwandeln  oder  durch  Übersendung  an  einen  seiner
Lieferanten  seine  Warenschuld  bei  diesem  tilgen  kann.  Voraussetzung  hierfür ­
  ist,  daß  diejenigen,  die  ihre  Unterschrift  auf  den  Wechsel  gesetzt  haben,
kreditwürdig  erachtet  werden  st.  Kreditinanspruchnahme  beim  Lieferer  und
Forderungseinzug  beim  Käufer  (Kunden)  —  auf  diesen  Möglichkeiten  beruht
die  Beliebtheit  des  gezogenen  Wechsels  im  Geschäftsverkehr  der  Kaufleute.
Der  Wechsel  dient  weiter  zur  Wertanlage:  Gute  Wechsel  über  größere ­
  Beträge  dienen  als  kurzfristiges  Anlagemittel,  insbesondere ­
  auch  für  Banken.  Seiner  Verwendung  als  Sicherungsmittel
(Kautionswechsel)  hatte  die  (am  1.  August  1929  wieder  abgeschaffte)  Nachsteuer ­
  für  Wechsel,  die  länger  als  3  Monate  laufen,  Abbruch  geleistet.
Als  der  Reichsbank  in  der  Krise  von  1931  die  schwierige  Aufgabe  erwuchs,
den  Zahlungsverkehr  wieder  in  Ordnung  zu  bringen,  gab  sie  Wechselkredite  in
großzügiger  Auslegung  ihrer  Geschäftsbedingungen.  Da  die  illiquiden  Institute
keine  diskontfähigen  Wechsel  mehr  besaßen,  mußte  das  Material  künstlich  geschaffen ­
  werden:  Finanzwechsel  entstanden.  Die  Banken  ließen  ihre  große  Debitoren ­
  auf  die  Akzeptbank  ziehen,  oder  aber:  Die  Bank  zog  auf  ihren  Kunden,
und  der  Wechsel  erhielt  die  Unterschrift  der  Akzeptbank  als  Giro.  Bei  den
Mobilisierungswechseln  der  Sparkasse  zog  die  zuständige  Girozentrale  auf  die
Sparkasse.
Ende  1936  waren  714  Millionen  RM  Arbeitsbeschaffungswechsel
im  Umlauf.  Sie  dienen  der  Vorfinanzierung  der  Arbeitsbeschast
fungsmaßnahmen.  Beteiligt  waren  hauptsächlich  die  Deutsche  Gesellschaft
für  öffentliche  Arbeiten  AG.  (Öffa)  und  die  Deutsche  Bau-  und  Bodenbank  AG-Die
  Reichsbank,  die  ihre  Diskontbereitschaft  für  die  Arbeitsbeschaffungswechsel
zugesagt  hat,  ist  ihrerseits  durch  die  vom  Reich  übernommene  Verpflichtung
st  Siehe  auch  mein  „Bankgeschäft",  Band  1.  Verkehrstechnik  und  Betriebs'
einrichtungen.  9.  Aufl.  Stuttgart  1930.
            
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