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Futtermittel.
Säugpumpe zu filtrieren und noch 1-mal mit der 10-fachen Menge Wasser auszukochen.
Die Filtrate werden zusammengegeben, rasch durch Kochen von Eiweiß befreit, filtriert
und das Filtrat auf ein geringeres Volumen eingedunstet; um den störenden Einfluß von
etwa vorhandenem Pepton und intermediären Proteinzersetzungsstoffen zu vermeiden,
säuert man mit Schwefelsäure an, fällt mit Phosphorwolframsäure, filtriert, bringt das
Filtrat auf ein bestimmtes Volumen und nimmt hiervon zu den einzelnen Bestimmungen
aliquote Teile.
Das Wesen der weiteren Bestimmung und Trennung der amidartigen Verbindungen
beruht darauf, daß die Amidosäuren, bei denen innerhalb des Radikals Wasserstoff
durch die Amidogruppe (NH 2 ) ersetzt ist, mit salpetriger Säure gerade wie Ammoniak
freies Stickstoffgas entwickeln, nach der Gleichung:
2C 2 H 3 (NH 2 ) | coojjH” 2HN0 2 = 2C 2 H 3 . OH { + 2H a O + 2N 2
Asparaginsäure + Salpetrige Säure = Äpfelsäure -f- "Wasser + Stickstoff.
In derselben Weise verhält sich Leucin = C 6 H I0 (NH 2 ) CO OH, welches bei dieser
Behandlung Leucinsäure und freies Stickstoffgas entwickelt, ferner Tyrosin C 9 H,, N0 3 =
C 0 H 4 (OH). CH 2 . CH(NH 2 ). CO OH,
Es entsprechen hiernach;
28 Tie. gefundenerN = 133 Tin. Asparaglnsäure, = 131 Tin. Leucin. = 181 Tin. Tyrosin, oder:
1 TL „ = 4,75 „ „ = 4,68 „ „ = 6,46 „ „ .
Die Amido-Säureamide, bei denen auch noch eine Hydroxylgruppe (OH) des
Karboxyls durch eine 2. Amidogruppe (NH 2 ) vertreten ist, geben dagegen durch Behandeln
mit salpetriger Säure nur die eine Hälfte des Stickstoffs in Form von freiem Gas ab; das
an die Karboxylgruppe gebundene NH 2 wird in Ammoniak umgewandelt; die Umwandlung
der letzteren Amidogruppe in Ammoniak kann durch Kochen mit einer beliebigen anderen
verdünnten Säure, z. B. Salzsäure, geschehen; bei Asparagin entsteht dadurch Chlorammonium
und Asparaginsäure, die sich dann beim Behandeln mit salpetriger Säure wie oben ver
hält, also:
c 2 h 3 .nh 2 { ZoT+ HC1 + h 2 o =C 2 H 3 .NH 2 { cqoh + NH.CI
Asparagin -|- Salzsäure -f Wasser = Asparaginsäure -f Chlorammonium.
Behandelt man letzteres Umsetzungserzeugnis nach dem Austreiben des Ammoniaks
durch Alkalien oder alkalische Erden wie oben mit salpetriger Säure, so erhält man ebenfalls
Äpfelsäure und freies Stickstoffgas, wobei 28 Teile des letzteren = 132 Teilen Asparagin
oder 1 Teil N = 4,71 Teilen Asparagin sind. Man kann aber auch die Menge des in Form
von Ammoniak abgespaltenen Stickstoffs ermitteln und daraus den Asparagingehalt berechnen
^obei 14 Tie. N = 132 Tin. Asparagin oder 1 T). N = 9.43 Tin. Asparagin). Dieses zuerst
von E. Sachsse angegebene Verfahren ist später von E. Schulze, 0. Kellner, E. Kern,
A. Emmerling, C. Böhmer u. a. geprüft und für die praktische Untersuchung aus
gebildet worden.
Um mit Hilfe dieses Verfahrens die amidartigen Verbindungen in den Pflanzen und
deren Auszügen zu bestimmen, teilt man den obigen Auszug in 3 gleiche Teile und ver
fährt wie folgt:
1. In dem ersten Teil bestimmt man das fertig gebildete Ammoniak.
Dieses kann entweder im Azotometer durch bromierte Natronlauge, wobei sich das
Ammoniak (z. B. Salmiak) nach folgender Gleichung umsetzt;
2NH 4 C1 + 3NaBrO + 2NaH0 = 2N + 3NaBr + 2NaCl + 5H 2 0,
oder aber durch Austreiben des Ammoniaks mit alkalischen Erden (Kalk oder Magnesia)
bestimmt werden; letzteres Verfahren dürfte den Vorzug besitzen, weil A. Morgen ge
funden hat, daß auch die Amid- und andere Stickstoffverbindungen der Pflanzenauszüge
durch bromierte Natronlauge angegriffen werden.
Manche Chemiker ziehen für diesen Zweck Kalkmilch der Magnesia vor, weil sie
bei phosphorsäurehaltigen Stoffen die Bildung von schwer zerlegbarem Magnesium-
Ammouiumphosphat befürchten.