Object : Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

109

V.
Es  erübrigt  also  noch  uns  zu  fragen,  wo  wir  heute
stehen  und  was  im  Einzelnen  von  dem  Stück  Weg
zu  erwarten  ist,  das  unmittelbar  vor  uns  liegt.  Da
können  wir  wohl  über  die  allgemeinen  Züge  hinausund
  etwas  mehr  ins  Einzelne  gehen.
Wer  heute  das  Gebiet  der  Sozialwissenschaften
überblickt,  kann  zunächst  durchaus  keinen  guten
Eindruck  haben.  Ich  glaube  kaum,  daß  wir  uns
rühmen  können  es  herrlich  weit  gebracht  zu  haben.
Und  das  behauptet  auch  niemand.  Der  Laie,  der  sich
fragend  an  uns  wendet,  denkt  sich  nach  erhaltener
Antwort  wohl  meist:  „Soviel  wußte  ich  vorher  auch.“
Man  überlege,  was  in  unseren  zusammenfassenden
Werken  zu  lesen  ist  und  man  wird  sogleich  wissen,
wie  ich  es  meine,  wenn  ich  sage,  daß  unsere  Resultate
dürftig,  unsere  Methoden  primitiv  sind,  und  daß  beide
oft  hinter  billigen  Anforderungen  Zurückbleiben.
Jene  Resultate,  die  in  der  einen  oder  anderen  Weise
weiteren  Kreisen  zugänglich  gemacht  werden,  z.  B.
Resultate,  die  soziale  Maßregeln  betreffen,  tragen  oft
das  Zeichen  der  Verwandtschaft  mit  Popularanschauungen
  auf  der  Stirn.  Noch  schlimmer  ist  es,  daß  die
angewandten  Methoden  oft  lediglich  Denkformen  des
Alltagslebens  sind  und  viele  Fachleute  sich  zeitlebens
mit  Arbeiten  begnügen,  die  jeder  gute  Journalist  auch
machen  könnte,  wie  wenn  der  forschende  Geist  sich
für  die  Zwecke  der  Wissenschaft  nicht  wirksamere
Werkzeuge  geschmiedet  hätte,  wie  wenn  es  nicht  die
Methode  wäre,  die  den  Forscher  macht.  Wir  sehen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.