Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  2.  Die  Arbeitslosigkeit

Bei  beiden  Zählungen  entfiel  also  auf  die  Arbeitslosigkeit,  die
nicht  über  die  Dauer  eines  Monats  hinausging,  ein  sehr  beträchtlicher ­
  Teil  aller  Fälle,  im  lvinter  sogar  mehr  als  die  Hälfte  der
Gesamtzahl.  Nun  kommt  es  freilich  nicht  auf  die  Dauer  der  Arbeitslosigkeit ­
  am  Zählungstage  an,  sondern  aus  ihre  gesamte  Dauer  bis
zur  Erlangung  einer  neuen  Stelle.  Im  Anschluß  an  die  Erhebungen
des  Reiches  von  1895  haben  einzelne  Städte  versucht,  auch  über  diesen
Punkt  Rlarheit  zu  schassen.  Sie  suchten  durch  ergänzende  Nacherhebungen ­
  zu  ermitteln,  wann  die  Arbeitslosen  wieder  Beschäftigung
bekommen  haben.  Eine  solche  Erhebung  wurde  z.  B.  in  Berlin  veranstaltet. ­
  Dabei  stellte  sich  Heraus,  daß  die  Arbeitslosigkeit  durchschnittlich ­
  38  Tage  dauerte.  In  Stuttgart,  wo  eine  analoge  Nacherhebung ­
  im  Anschluß  an  die  winterzählung  stattfand,  hatten  bereits
zehn  Tage  nach  dem  2.  Dezember  19,1  o/o  der  Arbeitslosen  wieder
Beschäftigung  gefunden.  In  einem  sehr  beträchtlichen  Teil  aller  Fälle
handelt  es  sich  also  nur  um  eine  kurzfristige  und  daher  weniger  bedenkliche ­
  Arbeitslosigkeit.  Daneben  sind  freilich  auch  die  Fälle  von  ,
schwerer,  langdauernder  Arbeitslosigkeit  in  nicht  geringer  Zahl  vertreten. ­
  Dabei  ist  aber  noch  etwas  anderes  zu  beachten.
Unter  den  Arbeitslosen  befinden  sich  immer  auch  Existenzen,  die  im
Begriffe  stehen,  aus  dem  Erwerbsleben  wegen  mangelnder  physischer,
geistiger  oder  moralischer  Leistungsfähigkeit  überhaupt  ganz  ausgeschieden ­
  zu  werden.  Namentlich  bei  den  Fällen  von  schwerer,  langdauernder ­
  Arbeitslosigkeit  handelt  es  sich  oft  um  in  irgeudeiner  hin-  !
sicht  minderwertige  Elemente,  die  den  normalerweise  im  Erwerbsleben
zu  stellenden  Anforderungen  nicht  zu  genügen  vermögen.  Zu  den  eigentlichen ­
  Arbeitslosen  kann  man  diese  Elemente  im  Grunde  gar  nickst
mehr  zählen.  Denn  sie  haben  infolge  ihrer  körperlichen  und  geistigen
Mängel  oft  überhaupt  keine  Aussicht  mehr,  eine  dauernde  Beschäftigung ­
  zu  finden.  Sie  sind  als  erwerbsunfähig  oder  doch  höchstens
als  halb  erwerbsfähig  zu  betrachten,  hinter  der  Arbeitslosenfrage
verbirgt  sich  heute  also  zugleich  auch  das  Problem,  wie  für  die  vermindert ­
  Erwerbsfähigen  zu  sorgen  ist.  Das  ist  zweifellos  ein  Pro-
            
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