Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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11,2.  Die  Arbeitslosigkeit

CEs  wäre  an  sich  nicht  unbedingt  notwendig,  daß  durch  das  Vorhandensein ­
  von  Saison-  und  Kampagneindustrien  in  der  Volkswirtschaft ­
  regelmäßig  soundso  viel  Tausende  von  Arbeitern  längere  Zeit
arbeitslos  werden.  Lägen  die  Dinge  z.B.  so,  daß  die  Gewerbe,
deren  Saison  in  das  Sommerhalbjahr  fällt,  ungefähr  ebensoviel
Arbeiter  beschäftigten,  wie  die  Gewerbe,  deren  Saison  in  den  Winter ­
  fällt,  so  brauchte  durch  das  Vorhandensein  der  Saisongewerbe  noch
keine  Arbeitslosigkeit  zu  entstehen.  Das  würde  allerdings  nur  unter
der  weiteren  Voraussetzung  zutreffen,  daß  die  Arbeiter  der  Sommersaisongewerbe ­
  zugleich  auch  in  den  Wintersaisongewerben  verwendbar ­
  sind,  daß  also  die  Ansprüche,  welche  in  beiden  Arten  von  Saisongewerben ­
  an  die  Kenntnisse  und  Fähigkeiten  der  Arbeiter  gestellt ­
  werden,  im  großen  und  ganzen  übereinstimmen.  In  der  Tat
findet  nun  auch  in  gar  nicht  geringem  Umfange  eine  solche  Ausgleichung ­
  und  Ergänzung  zwischen  den  verschiedenen  Saisongewerben ­
  statt.  So  rekrutiert  sich  ein  großer  Teil  der  Arbeiter  der  Rübenzuckerindustrie ­
  der  Provinz  Sachsen,  deren  Kampagne  in  den  Winter ­
  fällt,  aus  den  zu  dieser  Zeit  beschäftigungslosen  Arbeitern  der
Baugewerbe  der  benachbarten  Großstädte.  Line  vollkommene  Ausgleichung ­
  kann  hierdurch  aber  schon  aus  dem  Grunde  nicht  erreicht
werden,  weil  bei  dem  weitaus  größeren  Teil  aller  hierhergehörigen
Gewerbe  die  Saison  in  die  gleiche  Jahreszeit,  nämlich  in  den  Sommer ­
  fällt,  von  den  155  979  periodischen  Gewerbebetrieben,  die  am
14.  Juni  1895  ermittelt  wurden,  waren  120  642  die  sechs  Sommermonate ­
  hindurch  voll  im  Betrieb,  die  sechs  Wintermonate  hindurch
dagegen  nur  54  509?*)  Diese  Tatsache  erst  gibt  die  eigentliche  Erklärung ­
  für  das  regelmäßige  Anschwellen  der  Krbeitslosenziffer  in
jedem  Winter.  Und  zwar  ist  der  Unterschied  zwischen  Sommer  und
Winter  sehr  beträchtlich.  Im  Jahre  1895  belief  sich  die  Zahl  der
Arbeitslosen  nach  Abzug  der  Arbeitsunfähigen  im  Sommer-  auf
179004,  im  Winter  dagegen  auf  553640.  Das  find  im  Sommer  1,11-24)
  Statistik  des  Deutschen  Reichs,  Bd.  119,  5.188.  3u  dem  Folgenden  vgtebenda,
  Bd.  111,  5.  245ff.
            
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