Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Die  wirtschaftliche  Freiheit  im  Sozialismus

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lichst  so  zu  drehen  und  darzustellen,  als  ob  der  Sozialismus  eben
nur  die  Freiheit  des  einzelnen  im  vergleich  mit  dem  gegenwärtigen
Zustande  nicht  vergrößern  könne,  im  wesentlichen  also  in  dieser  Beziehung ­
  alles  beim  alten  bleiben  werde.  So  schreibt  Rautsky
einmal:  „Der  Sozialismus  kann  die  Abhängigkeit  des  Arbeiters
von  dem  wirtschaftlichen  Getriebe,  in  dem  er  ein  Rädchen  bildet,
nicht  beseitigen,  aber  an  Stelle  der  Abhängigkeit  des  Arbeiters  von
einem  Rapitalisten,  dessen  Interessen  den  seinen  feindlich  gegenüberstehen, ­
  setzt  er  seine  Abhängigkeit  von  einer  Gesellschaft,  deren
Mitglied  er  selbst  ist,  einer  Gesellschaft  gleichberechtigter  Genossen,
die  gleiche  Interessen  haben."
Was  hierbei  gänzlich  übersehen  wird,  das  ist  nur,  daß  die  Art
der  Abhängigkeit  in  beiden  Fällen  eine  grundverschiedene  ist.  In
dem  einen  Falle  handelt  es  sich  um  eine  durch  die  ökonomischen
Tatsachen  hervorgerufene  Abhängigkeit,  die  im  Gegensatz  zu  der
Behauptung  Rautskys  auch  gar  nicht  dem  einzelnen  Rapitalisten
gegenüber  besteht  —  man  denke  nur  an  die  Leichtigkeit  des  Stellenwechsels ­
  im  modernen  Wirtschaftsleben!  —,  in  dem  anderen  Falle
dagegen  handelt  es  sich  um  eine  rechtlich  geordnete  Abhängigkeit. ­
  Daß  es  die  von  ihm  selbst  gewählten  Behörden  sind,
die  ihm  Zeit,  Grt  und  Art  seiner  beruflichen  Tätigkeit  vorschreiben
dürfen,  das  wird  doch  das  Mitglied  eines  sozialistischen  Gemeinwesens ­
  kaum  darüber  trösten  können,  daß  es  über  die  Verwendung
seiner  Arbeitskraft  und  den  Grt  seiner  Tätigkeit  nicht  mehr  selbst
Zu  bestimmen  imstande  ist,  sondern  in  diesen  wichtigen  Beziehungen
sich  nach  den  Weisungen  einer  Behörde  zu  richten  hat?«)  Mag  auch
der  Spielraum,  in  dem  die  Freiheit  der  Berufswahl  heute  sich  praktisch
betätigen  kann,  infolge  der  sozialen  Verhältnisse  für  die  große  Masse
der  Bevölkerung  nur  ein  begrenzter  sein,  zwischen  dem  gegenwärtigen ­
  Zustande  und  einer  Gesellschaftsordnung,  in  der  die  staatlichen
Behörden  die  Verteilung  der  Bürger  auf  die  Produktionszweige  und
Berufe  regeln  würden,  und  die  Freiheit  der  Berufswahl  usw.  also

28)  Übereinstimmend  urteilt  Herkner,  Arbeiterfrage,  2.  Aufl.,  8.  31b.
Pohle,  Kapitalismus  und  Sozialismus,  2.  Uufl.  g
            
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