Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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1,1.  Die  individualistische  Wirtschaftsordnung

kurz  weg,  aber  doch  ist  sie  die  für  das  richtige  Verständnis  unserer  Wirtschaftsordnung ­
  eigentlich  entscheidende  Tatsache.  Nicht  der  einzelne
ist  für  sich  selbst  wirtschaftlich  verantwortlich,  sondern  die  Familie
hat  für  ihre  Glieder  zu  sorgen,  und  nicht  dem  einzelnen  gehört,  was
er  erwirbt,  sondern  er  erwirbt  es  für  die,  die  durch  die  Bande  der
Familie  mit  ihm  zusammenhängen.  Die  Familie  schiebt  sich  überall
als  Zwischenglied  zwischen  den  einzelnen  und  den  Staat,  und  zwar
als  Zwischenglied,  das  vor  dem  Staate  den  Vorrang  beanspruchen
kann.  Vas  zeigen  ja  deutlich  die  Bestimmungen  unseres  Erbrechts,
wer  stirbt,  ohne  ein  Testament  hinterlassen  zu  haben,  dessen  Besitztümer ­
  fallen  nicht  dem  Staate  zu,  sondern  seine  verwandten  haben
nach  dem  Gesetz  ein  Anrecht  auf  das  hinterlassene  vermögen,  und
auch  wer  über  seine  Hinterlassenschaft  testamentarisch  verfügt,  kann,
wenn  er  eine  Frau  und  Binder  hinterläßt,  nicht  völlig  frei  über  sein
vermögen  verfügen,  sondern  die  nächsten  verwandten  können  mindestens ­
  ihr  Pflichtteil  beanspruchen.  Diese  Bestimmungen  des  Erbrechts,
wie  sie  mit  gewissen  Modifikationen  bei  allen  Völkern  europäischer
Kultur  sich  finden,  sind  ein  klarer  Hinweis,  wie  nicht  der  einzelne,  sondern ­
  die  Familie  die  Grundlage  der  Gesellschaftsorganisation  ist.
Es  ist  darum  auch  nicht  zutreffend,  wenn  man  den  Egoismus  als
die  bewegende  Kraft  unserer  Wirtschaftsordnung  bezeichnet,  wo:  aus  dann
mit  Vorliebe  die  Annahme  einer  sittlichen  Minderwertigkeit  der  heutigen ­
  Wirtschaftsordnung  abgeleitet  wird.  Nicht  der  Egoismus  der  Einzelnen, ­
  sondern  eine  gewisse  Nrt  des  Altruismus  spielt  diese  Nolle,
allerdings  ein  Altruismus,  der  sich  nur  auf  einen  bestimmten  Personenkreis ­
  beschränkt,  diejenigen  nämlich,  die  unserem  Herzen  durch  die  Bande
des  Bluts  am  nächsten  stehen.  Wer  den  Egoismus  als  den  psychischen
Motor  unseres  Wirtschaftslebens  hinstellt,  der  muß  jedenfalls  immer
dessen  sich  bewußt  bleiben:  nicht  der  Individualegoismus,  sondern  der
Familienegoismu?,  erfüllt  diese  wichtige  Funktion.
Wo  nun  der  Staat  die  einzelnen,  genauer  also  nach  dem  Gesagten,
die  Familien  die  Verantwortung  für  ihre  wirtschaftliche  Lage  selbst
tragen  läßt,  da  folgt  daraus  notwendig  die  Anerkennung  weiterer
            
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