Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  3,  A.  Die  Leistungsfähigkeit  des  Individualismus

werbebetriebe.  In  vielen  Fällen,  in  denen  der  Großbetrieb  dem
Kleinbetrieb  wirtschaftlich  überlegen  ist,  führt  diese  Überlegenheit
daher  doch  nicht  zur  radikalen  Verdrängung  des  Kleinbetriebs,  sondern
das  Leben  zeigt  ein  Nebeneinander  verschiedener  Produktionsmethoden ­
  und  Betriebsformen.  Und  darin  ist  nicht  Willkür  und  Zufall
zu  erblicken  —  es  handelt  sich  nicht  einfach  um  Schlendrian  und
technische  Rückständigkeit  —,  sondern  es  kommt  darin  die  Gesetzmäßigkeit ­

  zum  Rusdruck,  die  das  ganze  Wirtschaftsleben  beherrscht.
Das  teilweise  Lestehenbleiben  des  Kleinbetriebs  neben  dem  Großbetrieb ­
  ist  eben  die  Folge  davon,  daß  letzterer  nicht  allenthalben
einen  so  großen  Markt  für  seine  Produkte  findet,  wie  er  ihn  braucht,
wenn  er  imstande  sein  soll,  billiger  zu  produzieren  als  der  Kleinbetrieb. ­
  Will  man  die  jetzt  in  dieser  Hinsicht  herrschenden  Zustände
durchaus  ändern  und  überall  die  Möglichkeit  zur  Zuwendung  der
technisch  vollkommensten  Produktionsmethoden  schaffen,  so  bleibt
nichts  übrig,  als  eine  völlig  veränderte  Verteilung  der  Bevölkerung
über  das  Land  hin  vorzunehmen,  sie  etwa  nur  noch  in  Städten  von
einer  bestimmten  Mindesteinwohnerzahl  zusammenwohnen  zu  lassen. ­
  Nach  einem  solchen  radikalen  Eingriff  in  die  Siedlungsverhältnisse ­
  könnte  allerdings  der  Großbetrieb  sein  Gebiet  gleich  beträchtlich ­
  erweitern.  Sowie  diese  Voraussetzung  erfüllt  wäre,  würde
aber  auch  in  der  heutigen  Wirtschaftsordnung  der  Großbetrieb  seinen
Platz  ausdehnen,  eines  Übergangs  zum  Sozialismus  bedürfte  es
dazu  nicht.
Ähnlich  wie  durch  Eingriffe  in  die  Siedelungsweise  könnte  der  ^
Sozialismus  auch  durch  solche  in  die  Wohnweise  der  Bevölkerung  '
und  ihre  Ernährungsweise  allerdings  manche  Ersparnisse  erziele«,
wenn  der  Familienhaushalt  überhaupt  aufgelöst  wird,  wenn  die
Menschen  in  großen  Rnstalten  zusammenwohnen  und  aus  Zentralküchen ­
  verköstigt  werden  usw.,  dann  läßt  sich  im  vergleich  mit  dem
heutigen  Zustand  ohne  Zweifel  manches  wirtschaftlicher  gestalten,
obwohl  auch  hier  die  Vorteile  nicht  so  groß  sind,  wie  man  zunächst
erwartet.  Über  ein  solcher  radikaler  Eingriff  würde  den  Übergang
            
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