Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Die  Leistungsfähigkeit  des  Sozialismus

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tut,  in  dem  Eintritt  einer  allgemeinen  Überproduktion  in  allen  Abteilungen ­
  des  Warenmarktes  zu  sehen.  Die  Krisen  nehmen  nicht
mit  einer  allgemeinen  Überproduktion  in  diesem  Sinne  ihren  Anfang
—  diese  Erscheinung  tritt,  wenn  überhaupt,  erst  im  späteren  Verlauf ­
  der  Krisis  manchmal  hervor,  ist  aber  auch  dann  nur  von  sekundärer ­
  Bedeutung  —,  sondern  sie  beginnen  regelmäßig  mit  einer
Produktionseinschränkung  in  ganz  bestimmten  Industrien.  Die  Produktionseinschränkung, ­
  zu  der  sich  diese  Industrien  gezwungen  sehen,
läßt  sich  aber  unmöglich  darauf  zurückführen,  es  sei  plötzlich  offenbar ­
  geworden,  daß  zwischen  ihrer  Produktion  und  der  Kaufkraft  der
Bevölkerung  ein  Mißverhältnis  bestehe.  Die  Absurdität  dieser  Annahme ­
  ergibt  sich  ohne  weiteres  daraus,  daß  es  sich  bei  den  Industrien, ­
  die  von  den  Krisen  regelmäßig  zuerst  betroffen  werden,  gar
nicht  um  Industrien  handelt,  die  für  den  Konsum  der  Bevölkerung
arbeiten.  Es  handelt  sich  vielmehr  um  die  Produktionsmittelgewerbe, ­
  um  die  Industrien,  die  das  stehende  Kapital  der  Volkswirtschaft ­
  Herstellen.  Und  der  Umstand,  der  bei  ihnen  zeitweilig  eine  Produktionseinschränkung ­
  zur  gebieterischen  Notwendigkeit  macht,  ist
die  Tatsache,  daß  die  Industrie  in  der  vorangegangenen  guten  Zeit,
verleitet  durch  den  niedrigen  Stand  des  Zinsfußes,  bei  der  in  Angriff
genommenen  Ausdehnung  ihrer  Produktionsanlagen  die  durch  die
Sparkraft  der  Volkswirtschaft  gezogenen  Grenzen  nicht  beachtet
hat.  Das  muß  aber  notwendig  schließlich  zu  einer  akuten  Kapitalknappheit ­
  führen.  Vas  ist  das  Mißverhältnis,  um  das  es  sich  bei  den
Krisen  in  Wahrheit  handelt:  die  Ausdehnung  der  Produktionsanlagen ­
  ist  über  das  durch  die  Sparkraft  der  Nation  bezeichnete  Maß
hinaus  zu  steigern  versucht  worden.  Das  ist  aber  selbstverständlich
ein  unhaltbarer  Zustand,  und  die  Krisis  bedeutet  nichts  anderes  als
das  Mittel,  an  dem  unhaltbar  gewordenen  Zustande  die  notwendige
Korrektur  vorzunehmen.  Mit  den  Konsum-  und  Linkommensverhältnissen
  der  lohnarbeitenden  Klassen  haben  also  die  Krisen  direkt
sehr  wenig  zu  tun,  höchstens  kann  durch  die  von  Marx  erwähnte  Tatsache ­
  des  Steigens  des  Arbeitslohnes  in  der  Zeit  vor  der  Krisis  die
            
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