Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Landwirtschaft  und  Sozialismus

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Volkswirtschaft,  das  ja  auch  im  sozialistischen  Staate  ganz  unentbehrlich ­
  ist,  wenn  das  gegenwärtige  Niveau  der  Lebenshaltung  beibehalten ­
  und  gesteigert  werden  soll,  und  andererseits  die  durchschnittliche
Arbeitsleistung  gestalten?  Mit  diesen  fragen  werden  zweifellos  die
wunden  pustkte  jeder  sozialistischen  Gesellschaftsordnung  getroffen.
I.  Vas  Anwachsen  des  Realkapitals  der  Volkswirtschaft,
ihrer  Bestände  an  Wohnhäusern,  Fabrikgebäuden  und  Produktionsanlagen ­
  aller  Art,  an  Verkehrseinrichtungen  usw.  vollzieht  sich  gegenwärtig ­
  in  einem  Tempo,  das  nicht  nur  dem  Wachstum  der  Bevölkerung ­
  entspricht,  sondern  das  darüber  hinaus  Raum  läßt  für  eine
Vermehrung  des  Rapitalvorrats  der  Volkswirtschaft,  eine  Zunahme
ihrer  Rapitalintensität.  In  fast  allen  Ländern  Europas  konnte  vor
dem  Weltkriege  ein  rasches  Wachstum  ihres  Realkapitals  festgestellt
werden,  ein  Wachstum,  das  mit  G.  Lasset  auf  ungefähr  3o/o  jährlich ­
  geschätzt  werden  kann.  Die  unumgängliche  Voraussetzung  für
dieses  rasche  Anwachsen  des  Volksvermögens  in  der  heutigen  Wirtschaftsorganisation ­
  ist  aber  der  Umfang,  in  dem  in  den  modernen
Volkswirtschaften  „gespart"  wird,  in  dem  die  einzelnen  Privaten
freiwillig  große  Teile  ihres  Einkommens  dem  Konsum  entziehen
und  in  den  Dienst  der  Kapitalbildung  stellen.  Der  große  Umfang,
in  dem  die  Spartätigkeit  sich  heute  in  allen  Ländern  europäischer
Kultur  vollzieht  und  dadurch  die  Vorbedingung  für  die  Vermehrung
des  Realkapitals  erfüllt  wird,  hängt  aber  wieder  ganz  wesentlich
mit  ihrer  individualistischen  Wirtschaftsverfassung  zusammen.  Sowie
das  individualistische  Wirtschaftssystem  in  Frage  gestellt  wird,  wird
auch  die  Neigung  der  einzelnen  zu  sparen  auf  eine  gefährliche  Probe
gestellt  und  unter  Umständen  geradezu  gelähmt.  Der  einzelne  spart
ja  heute  nicht  zu  dem  objektiven  Zwecke,  um  dadurch  das  Realkapital
der  Gesellschaft  zu  vermehren,  sondern  er  spart  unmittelbar  aus  einem
subjektiven  Grunde,  nämlich  hauptsächlich,  um  dadurch  die  eigene
sowie  die  Zukunft  seiner  Angehörigen  sicherzustellen.  In  dem  Maße,
wie  ihm  das  durch  Änderungen  der  Rechtsordnungen  im  sozialistischen
Sinne  unmöglich  gemacht  oder  erschwert  wird,  wird  auch  der  Spar-
            
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