Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

— 582 — 
sich freilich starke Opposition, sowohl in Brasilien wie daheim. Es 
gab natürlich viele, die ein besseres Geschäft bei dem Monopol 
machten; auch hier zeigte sich die ganze Gewissenlosigkeit einzelner 
Kreise in der Tatsache, daß selbst hinter den freien Kaufleuten 
Amsterdamer Kaufleute und Direktoren der Kompanie sich ver- 
steckten, während diese offiziell die Aufrechterhaltung der Kom- 
panie vertrat. In dem heftigen Streit über Freihandel und Monopol 
entschieden schließlich 1638 die Generalstaaten für den Freihandel 
mit gewissen Ausnahmen und unter der den freien Händlern auf- 
erlegten Verpflichtung, der Kompanie für alle von ihnen verladenen 
Waren eine Abgabe von 10% vom Wert zu entrichten!). Amster- 
dam, das für den freien Handel eintrat, hatte wieder einmal den 
Sieg davongetragen. Unter den obwaltenden Umständen war das 
zweifellos auch richtig. Eine dauernde Blüte der Besitzungen konnte 
aber auch diese Maßregel nicht herbeiführen. Wieder, wie in Ost- 
indien, machte sich hier eine schamlose Korruption unter den 
Beamten, ein ausgedehnter Schmuggelhandel breit, denen gegenüber 
auch die vortrefflichsten Verwaltungsvorschriften versagten. Wirt- 
schaftlich aber wurde das Hauptziel, nämlich die von den Portugiesen 
zum großen Teil vernichtete Zuckerkultur wieder in die Höhe 
zu bringen, nur teilweise erreicht, wenn auch die Zufuhren von brasi- 
lianischem Zucker nach Holland während der niederländischen 
Herrschaft nicht gering gewesen sind; überhaupt hat unter der 
Statthalterschaft des Grafen Johann Moritz von Nassau, 
also 1637—1644, der Brasilhandel, für den außer Zucker namentlich 
Tabak und Farbhölzer in Betracht kamen, im Wirtschaftsleben der 
Republik keine geringe Rolle gespielt, wenn man auch im Mutter- 
lande über die wirtschaftlichen Ergebnisse dieses sehr kostspieligen 
Unternehmens enttäuscht war. Eines der besten Geschäfte war der 
Negerhandel, der beträchtliche Gewinne abwarf?). 
Von den amerikanischen Besitzungen brachten den Nieder- 
ländern auf die Dauer die meisten Vorteile Surinam und 
Essequebo. Nachdem im 17. Jahrhundert die sehr unruhigen 
Zustände daselbst eine bessere Kultivierung des Landes erschwert 
hatten und namentlich der Mangel an Sklaven sich fühlbar machte, 
ll Wätjen, S; 2961f. 
2) Wätjen, a. a. ©. S.  3ıofff; Waäatjen, Negerhandel, S. 425 ff.; 
vel. auch oben S. 165f., unten S. 381, Anm. 3. 
3
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.