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sich freilich starke Opposition, sowohl in Brasilien wie daheim. Es
gab natürlich viele, die ein besseres Geschäft bei dem Monopol
machten; auch hier zeigte sich die ganze Gewissenlosigkeit einzelner
Kreise in der Tatsache, daß selbst hinter den freien Kaufleuten
Amsterdamer Kaufleute und Direktoren der Kompanie sich ver-
steckten, während diese offiziell die Aufrechterhaltung der Kom-
panie vertrat. In dem heftigen Streit über Freihandel und Monopol
entschieden schließlich 1638 die Generalstaaten für den Freihandel
mit gewissen Ausnahmen und unter der den freien Händlern auf-
erlegten Verpflichtung, der Kompanie für alle von ihnen verladenen
Waren eine Abgabe von 10% vom Wert zu entrichten!). Amster-
dam, das für den freien Handel eintrat, hatte wieder einmal den
Sieg davongetragen. Unter den obwaltenden Umständen war das
zweifellos auch richtig. Eine dauernde Blüte der Besitzungen konnte
aber auch diese Maßregel nicht herbeiführen. Wieder, wie in Ost-
indien, machte sich hier eine schamlose Korruption unter den
Beamten, ein ausgedehnter Schmuggelhandel breit, denen gegenüber
auch die vortrefflichsten Verwaltungsvorschriften versagten. Wirt-
schaftlich aber wurde das Hauptziel, nämlich die von den Portugiesen
zum großen Teil vernichtete Zuckerkultur wieder in die Höhe
zu bringen, nur teilweise erreicht, wenn auch die Zufuhren von brasi-
lianischem Zucker nach Holland während der niederländischen
Herrschaft nicht gering gewesen sind; überhaupt hat unter der
Statthalterschaft des Grafen Johann Moritz von Nassau,
also 1637—1644, der Brasilhandel, für den außer Zucker namentlich
Tabak und Farbhölzer in Betracht kamen, im Wirtschaftsleben der
Republik keine geringe Rolle gespielt, wenn man auch im Mutter-
lande über die wirtschaftlichen Ergebnisse dieses sehr kostspieligen
Unternehmens enttäuscht war. Eines der besten Geschäfte war der
Negerhandel, der beträchtliche Gewinne abwarf?).
Von den amerikanischen Besitzungen brachten den Nieder-
ländern auf die Dauer die meisten Vorteile Surinam und
Essequebo. Nachdem im 17. Jahrhundert die sehr unruhigen
Zustände daselbst eine bessere Kultivierung des Landes erschwert
hatten und namentlich der Mangel an Sklaven sich fühlbar machte,
ll Wätjen, S; 2961f.
2) Wätjen, a. a. ©. S. 3ıofff; Waäatjen, Negerhandel, S. 425 ff.;
vel. auch oben S. 165f., unten S. 381, Anm. 3.
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