Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  3,  B.  Die  Leistungsfähigkeit  des  Sozialismus

oder  genauer  gesagt,  von  dem  Maße,  in  dem  das  durchschnittliche
Volkseinkommen  über  das  Existenzminimum  hinausragt.  Nur  das,
was  nicht  unbedingt  zur  Friftung  des  Lebens  gebraucht  wird,  kann
denkbarerweise  überhaupt  gespart  werden.  Die  Rapitalbildung  in
einem  Lande  ist  somit  auch  in  sehr  maßgebender  weise  mit  abhängig
von  der  Größe  des  Produktionsertrags.  Damit  kommen  wir  zu  der
zweiten  vorhin  aufgeworfenen  Frage,  der  Frage,  wie  sich  im  Sozialstaate ­
  die  durchschnittliche  Arbeitsleistung  gestalten  wird.
II.  Die  Befürchtung  liegt  ja  sehr  nahe,  daß  beim  sozialistischen
Rechtestem  die  Arbeitsleistung  und  damit  die  Gesamthöhe  des
Produktionsertrags  stark  zurückgehen,  weil  hier  der  Arbeiter  gar  kein
Interesse  mehr  daran  hat,  sein  Bestes  zu  leisten.  |
Viesen  naheliegenden  Einwand  haben  nachdenkliche  Sozialisten
allerdings  damit  abzuwehren  gesucht,  daß  sie  auf  die  Anwendbarkeit
der  Akkordlöhnung  und  ähnlicher  Lohnberechnungsmethoden  auch  im
sozialistischen  Staate  verweisen.  Ihr  Gedankengang  ist  der  folgende:
Auch  heute  schon  befindet  sich  die  große  Masse  der  Bevölkerung  gar
nicht  mehr  selbst  im  Besitz  der  Produktionsmittel,  sie  sind  gar  nicht
mehr  Eigentümer,  die  für  eigene  Rechnung  und  Gefahr  produzieren,
sondern  sie  sind  Lohnarbeiter.  Dieselben  Mittel  nun  aber,  die  heute
angewendet  werden,  um  die  Lohnarbeiter  am  Ertrag  ihrer  Arbeit
zu  interessieren,  lassen  sich  ebenso  auch  und  mit  der  gleichen  Aussicht
auf  Erfolg  in  einem  sozialistischen  Staat  anwenden.  Bei  diesem  Gedankengang ­
  werden  aber  zwei  wichtige  Punkte  übersehen:
I.  Ls  ist  auch  heute  nicht  möglich,  auf  allen  Gebieten  das,  was  die  selbständige ­
  Produktion  für  eigene  Rechnung  und  Gefahr  leistet,  durch  den  j
Stücklohn  und  ähnliche  Löhnungsmethoden  zu  ersetzen.  Und  zwar
ist  als  das  hauptsächlichste  Produktionsgebiet,  wo  die  Akkordlöhnung
nicht  das  gleiche  zu  leisten  vermag  wie  die  Produktion  für  eigene
Rechnung  und  Gefahr  der  Produzenten,  die  Landwirtschaft
zu  nennen.  Die  Landwirtschaft  hat  sozusagen  eine  angeborene  Vorliebe ­
  für  die  individualistische  Wirtschaftsordnung  und  fetzt  allen
sozialistischen  Experimenten  einen  hartnäckigen  widerstand  entge-
            
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