Full text: Kapitalismus und Sozialismus

Soziale Bedeutung des privateigeulums 
n 
die verhängnisvollsten sozialen und wirtschaftlichen Folgen ein. vor 
allem nimmt dann die Arbeitslosigkeit rapid zu; es wird aber auch 
bald Wohnungsnot eintreten, weil niemand mehr Lust hat, sein 
Kapital an den Bau von Häusern zu wagen. 
Unsicherheit des Privateigentums, wozu auch Ankündigung weit 
gehender Sozialisierungsmaßnahmen, und zwar vielleicht gar ohne 
Entschädigung oder wenigstens ohne angemessene Entschädigung der 
Vorbesitzer gehört, muß also stets sozial gefährliche Zustände im 
Wirtschaftsleben nach sich zieh.n, und zwar Zustände, denen der 
8taat mit seinen Machtmitteln hilflos gegenübersteht, da er doch 
niemanden dazu zwingen kann, Unternehmer zu werden. Man rüt 
telt eben in der individualistischen Wirtschaftsordnung nicht unge 
straft an der Institution des Privateigentums. 
Außer dem Privateigentum ist für die individualistische Wirtschafts 
ordnung grundsätzlich auch wirtschaftliche Bewegungsfrei 
heit unentbehrlich. Der wirtschaftlichen Selbstverantwortlichkeit der 
einzelnen hat naturgemäß aus der anderen Seite das Recht zu ent 
sprechen, ihre wirtschaftliche Tätigkeit frei nach ihrem Ermessen zu 
gestalten. In der individualistischen Wirtschaftsordnung gilt daher 
grundsätzlich regelmäßig wirtschaftliche Bewegungsfreiheit für die 
einzelnen. Diese grundsätzliche Bewegungsfreiheit schließt allerdings 
nicht aus, daß der Staat an zahlreichen Stellen Schranken für die 
Bewegungsfreiheit seiner Bürger aufrichtet, daß er ihr wirtschaft 
liches handeln unter allerlei einengende Vorschriften stellt. Ls läßt 
sich sogar ohne weiteres sagen: Ls hat noch nie in der Geschichte 
eine individualistische Wirtschaftsordnung gegeben, die gänzlich ohne 
Beschränkungen der ökonomischen Freiheit ausgekommen wäre, in der 
der Staat sich von jeder Einmischung in das Wirtschaftsleben zurück 
gehalten hätte. Aber das Maß der staatlichen Einmischung kann 
dabei allerdings ein sehr verschiedenes sein, und wir stoßen hier auf 
den Punkt, in dem die individualistischen Wirtschaftsordnungen in 
der Geschichte und im Leben sich hauptsächlich voneinander unterschei 
den. Stets bleibt dabei aber doch der Satz bestehen, daß mit dem
	        
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