Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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I, 2. Lrwerbswirtschaft und Konsumgenossenschaft 
Leistungen Herstellen, oder es können sein Vereinigungen von Kon 
sumenten, die in selbsterrichteten Betrieben für den Bedarf ihrer 
Mitglieder produzieren lassen. Darauf beruht die Unterscheidung 
zwischen erwerbswirtschaftlicher und konsumgenossenschaftlicher Pro 
duktionsweise. Diese Busdrücke bezeichnen die beiden großen Mög 
lichkeiten zur Organisation des Wirtschaftslebens, zwischen denen 
die individualistische Wirtschaftsordnung noch die Wahl läßt. Es heißt 
die Bedeutung der konsumgenossenschaftlichen Produktionsweise, wie 
sie vor allem durch die heutigen Konsumvereine vertreten wird, sehr 
verkennen, wenn man in ihr nur ein Mittel neben vielen anderen 
sieht, um die Lage der Lohnarbeiter in der gegenwärtigen Wirt 
schaftsordnung etwas zu verbessern. Die Konsumgenossenschaft be 
deutet, darin haben die Anhänger der Genossenschaftsbewegung voll 
kommen recht, ihrem Wesen nach im Grunde unendlich viel mehr. 
Sie stellt einen versuch dar, auf dem Boden des individualistischen 
Rechtsprinzips selbst die Entwicklung zum Kapitalismus aufzuhalten 
und umzubiegen, das Wirtschaftsleben von solchen Erscheinungen wie 
der „profitsucht" zu befreien, um derentwillen der Kapitalismus zum 
großen Teil bekämpft wird. Insofern hat die Konsumgenossenschafts 
bewegung viel Verwandtes mit dem Sozialismus. Sie will, wenn 
auch mit ganz anderen Mitteln wie der Sozialismus, denn sie läßt 
den Staat außer dem Spiel, etwas Ähnliches erreichen wie dieser, 
und sie wird ja darum auch gern als „Genossenschaftssozialismus" be 
zeichnet. Die extremen Sozialisten freilich lassen den Genossenschafts 
sozialismus nur als einen Surrogatsozialismus von sehr fragwür 
diger Beschaffenheit gelten. 
In der Tat sind auch die Unterschiede zwischen crwerbswirtschaft- 
licher und konsumgenossenschaftlicher Produktionsweise außerordent 
lich groß und tiefgehend. Die treibende Kraft der erwerbswirtschaft 
lichen Produktionsweise ist das Streben nach Gewinn. Bei ihr 
fällt den selbständigen Produzenten, die das Risiko der Produktion 
tragen, der ganze Uberschuß der Produktion über die aufgewandten 
Kosten zu. Darin liegt die große wirtschaftliche Stärke der erwerbs-
	        
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