Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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I, 2. Lrwerbswirtschaft und Konsumgenossenschaft 
der Schmied, waren nicht gleich von Anfang an selbständige Ge 
werbetreibende im modernen Sinne. Sie ließen sich nicht auf eigene 
Rechnung und Gefahr in einem Dorfe nieder und verdienten sich 
ihren Lebensunterhalt in der Meise, daß sie für die Ausführung ein 
zelner Arbeiten von ihren Auftraggebern stückweise bezahlt wurden, 
sondern sie hatten anfänglich vielfach den Charakter von An 
gestellten der Gemeinde. Die Gemeinde gewährte ihnen ihren 
Lebensunterhalt, und sie waren dafür zur Verrichtung der vorkom 
menden Arbeiten ihres Fachs verpflichtet. Die einzelnen Dauern 
trugen zu ihrem Lebensunterhalt gewöhnlich nach der Größe ihres 
Besitzes bei, hauptsächlich durch bestimmte Abgaben in Rorn, und 
erwarben damit ein Anrecht auf ihre Leistungen. Die Schmiedewerk 
stätte gehörte bei diesem Zustand meist der Dorfgemeinde, und der 
Schmied würde in sie gegen die Verpflichtung zu guter Instand 
haltung für eine bestimmte Zeit als Verwalter eingesetzt. In ähn 
licher Meise sind in vielen Gegenden die ersten Mind- und Masser- 
mühlen, die während des Mittelalters angelegt wurden, genossen 
schaftliche Gründungen gewesen, auf denen die einzelnen Lauern 
selbst ihr Getreide mahlten oder von einem Unecht mahlen ließen. 
Analoge Einrichtungen bilden die Gemeindebacköfen und die öffent 
lichen Brauhäuser, die Reih um von den Gemeindemitgliedern be 
nutzt werden. 
Gleichviel aber, welches die ersten Anfänge dieser Entwicklung 
waren, nach einiger Zeit finden wir regelmäßig den Zustand herr 
schend werden, daß die in Frage stehenden gewerblichen Arbeiten 
von dritten Personen auf eigene Rechnung übernommen und diese 
dritten Personen für ihre Arbeit stückweise bezahlt werden. Die an 
fänglichen Gemeindeangestellten oder Genossenschaftsbeamten ver 
wandeln sich damit in wirkliche Gewerbetreibende, und aus den ge 
nossenschaftlichen Produktionsanlagen werden Gewerbebetriebe in 
dem Sinne, wie wir das Wort heute verstehen, d. h. wirtschaften, 
die durch die entgeltliche Tätigkeit für fremden Bedarf einen Uber 
schuß zu erzielen, zum mindesten den eigenen Lebensunterhalt zu
	        
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