Full text : Kapitalismus und Sozialismus

44

I,  3.  Unternehmung  und  produktivgsnosienschast

schon  über  100  °/o  der  Belegschaft  —,  und  aus  der  Neigung  der  Arbeiterschaft, ­
  die  Einführung  immer  kürzerer  Kündigungsfristen  für
bas  Arbeitsverhältnis  zu  verlangen.
Ganz  anders  dagegen  ist  die  Lage  des  Unternehmers.  Wenn  er
sein  Kapital  in  ein  Unternehmen  gesteckt  hat,  und  dieses  schlägt  fehl
oder  bleibt  in  seinem  Reinertrag  auch  nur  hinter  dem  landesüblichen
Zinsfuß  dauernd  zurück,  so  kann  er  eben  nicht  wie  der  Arbeiter  ohne
Verlust  wieder  heraus,  sondern  er  muß  mit  der  ganzen  oder  teilweisen ­
  Einbuße  seines  Vermögens  rechnen.  Und  er  kann  auch  nicht
so  leicht  wie  der  Arbeiter  darauf  rechnen,  eine  Stellung  zu  finden,
in  der  seine  Arbeit  die  gleiche  Vergütung  erhält  wie  bisher.  Ein
Unternehmer,  ber  als  solcher  Schiffbruch  erlitten  hat,  empfiehlt  sich
damit  nicht  gerade  für  die  Übernahme  leitender  Stellungen  in  anderen ­
  Unternehmungen.  Er  wird  nach  diesem  Rkißgeschick  auf  der
sozialen  Stufenleiter  regelmäßig  herabsteigen  und  sich  mit  irgendeiner ­
  bescheidenen  Anstellung  begnügen  müssen.
Die  verschiedene  Lage,  in  der  sich  Unternehmer,  Zinskapitalisten
und  Lohnarbeiter  im  Falle  des  Konkurses  eines  Unternehmens  befinden, ­
  ist  aber  für  das  Risiko  der  Produktion,  das  der  Unternehmer
zu  tragen  hat,  überhaupt  nicht  das  Entscheidende.  Entscheidend  ist
die  Lage  der  Dinge  bei  normalem  Verlauf  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse, ­
  d.  h.  wenn  es  nicht  zum  Zusammenbruch  des  Unternehmens ­
  kommt.  Und  da  besteht  eben  die  Funktion  des  Unternehmers
darin,  für  die  anderen  an  der  Unternehmung  beteiligten  Personen
gewissermaßen  als  Wellenbrecher  einzutreten.  Solange  sein  vermögen ­
  zureicht,  ist  Zinskapitalisten  und  Lohnarbeitern  diejenige  Bezahlung ­
  für  ihr  Kapital  und  ihre  Arbeit  gesichert,  die  der  jeweiligen
Lage  des  Kapital-  und  des  Arbeitsmarktes  entspricht,  auch  wenn  die
hergestellten  Produkte  sich  nicht  zu  Preisen  verkaufen  lassen,  die  im
rechten  Verhältnis  zu  den  Produktionskosten  stehen.  Das  ist  das
Risiko  der  Produktion,  das  der  Unternehmer  den  Lohnarbeitern  und
Zinskapitalisten  abnimmt.  Die  Bedeutung  dieser  wirtschaftlichen  Leistung ­
  des  Unternehmers  wird  dadurch  noch  nicht  aus  der  Welt  ge-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.