Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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i,4.  Der  Sozialismus

Jungen  gehabt.  (Es  ist  ja  bekannt,  daß  die  russische  Landwirtschaft
in  vielen  Beziehungen  technisch  noch  weit  hinter  der  west-  und
mitteleuropäischen  zurücksteht,  und  daß  der  russische  Bauer  dem  Loden
infolgedessen  nur  sehr  geringe  Ernten  abzugewinnen  vermag.  Vas
hängt  nicht  nur  mit  dem  niedrigen  Stand  der  Volksbildung  in  Rußland, ­
  der  Ungunst  mancher  klimatischer  Faktoren  usw.  zusammen,
sondern  eine  ganz  wesentliche  Ursache  hierfür  sind  auch  die  kollektivistischen ­
  Besitzverhältnisse  am  Bauernland.  Es  liegt  ja  auch  auf
der  Hand,  daß  dieses  System  als  ein  Hemmschuh  des  wirtschaftlichen
Fortschritts  wirken  muß.  Es  hindert  vor  allem  das  vorwärtskommen ­
  der  wirtschaftlich  regsameren  und  tüchtigeren  Elemente.  Diese
haben  bei  dem  IHir  kein  echtes  Ziel  für  ihr  Streben.  Denn  was
sie  auf  ihrem  Land  etwa  Besseres  schaffen,  dessen  können  sie  ja
bei  der  nächsten  allgemeinen  Umteilung  wieder  beraubt  werden.  Und
vor  allem  sind  sie  nicht  imstande,  durch  Fleiß,  Sparsamkeit  und
Energie  ihren  Landanteil  zu  vergrößern.  (Es  bleibt  bei  diesem  System
so  gut  wie  kein  Spielraum  für  „das  natürliche  Streben  jedes  Menschen, ­
  seine  wirtschaftliche  Lage  zu  verbessern",  wie  Udam  Smith  es
genannt  hat.  Dafür  war  freilich  der  Gesamtheit  der  Dorfgenossen
ihre  wirtschaftliche  Existenz  garantiert,  aber  eben  nur  eine  Existenz,
die  mit  dem  weiteren  Unwachsen  der  Bevölkerung  immer  proletarischer ­
  werden  mußte.
Ivegen  der  offenkundigen  schweren  wirtschaftlichen  und  sonstigen
Mängel  dieses  Systems  war  bereits  vor  dem  Uriege  unter  dem  Ministerium ­
  Stolypin  eine  großzügige  Uktion  zur  Uufhebung  dieser
kommunistischen  Besitzverhältnisse  eingeleitet  worden.  Ruf  jeden  Fall
gehört  dieses  Wirtschaftssystem,  über  dessen  historischen  Ursprung
die  Meinungen  noch  stark  auseinandergehen,  entwicklungsgeschichtlich ­
  betrachtet,  dem  Wirtschaftsleben  der  Vergangenheit  an.  Im
Wirtschaftsleben  der  Gegenwart  dagegen  erscheint  es  als  ein  anorganischer ­
  Bestandteil,  der  zu  den  modernen  Formen  der  Organisation ­
  der  Rrbeit  nicht  recht  passen  will.  Der  bäuerliche  Gemeinbesitz ­
  am  Grund  und  Loden  in  Rußland  läßt  sich  nämlich,  kurz  ge ­
            
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