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Zeit statt % Pfund einschließlich Zusatz von 125 Gramm für
erwachsene männliche Personen nur ein halbes Pfund Brot pro
Tag erhalten. Während im Monat Juli ihnen für Menage ein
schließlich Schlafgeld 1,76 Mark pro Tag berechnet wurde, ist der
Betrag für den Monat August auf 2 Mark erhöht worden, ohne
daß die Beköstigung eine bessere geworden wäre.
Die von uns angeführten Beschwerden haben ebenfalls mit
dazu beigetragen, daß Ende August resp. Anfang September
von zirka 200 russischen Arbeitern, die aus Julius Philipp und
Prinzregent beschäftigt waren, 170 die Arbeit verweigerten und
nach Rußland zurückgebracht werden mutzten. Die iibrigen er
klärten sich damals bereit, zu arbeiten, indem sie die Hoffnung
hegten, daß die Verhältnisse sich bessern würden. Nach ihren
Aussagen ist dieses nicht der Fall, sondern es ist zu befürchten,
daß von diesen ein Teil die Arbeit verweigern wird.
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Die Antwort darauf lautete:
An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Bochum.
Auf die Beschwerde namens der russischen Arbeiter vom 27. Sep
tember 1915 lasse ich Ihnen Abschrift eines Berichtes des Oberberg
amtes in Dortmund vom 13. November zur Kenntnisnahme zugehen.
Wenn danach anfangs die russisch-polnischen Arbeiter sich auch mit ge
ringeren Löhnen begnügen mußten, so ist doch jetzt überall der
Grundsatz durchgeführt, daß die ausländischen Arbeiter bei gleichen
Leistungen dieselben Löhne verdienen, wie die einheimischen. Außer
dem ist vom Generalkommando Vorsorge getroffen worden, daß die
Werke, in denen ausländische Arbeiter beschäftigt sind, in Bezug auf
Löhne, Behandlung und Beköstigung der Arbeiter, sowie in Bezug
auf die Wohnungs- und Abortverhältnisse einer dauernden Beauf
sichtigung unterworfen werden.
Der kommandierende General: von G a y l.
Dortmund, den 13. November 1815.
Die ausländischen Arbeiter werden unter Tage als Schlepper
bei der Kohlengewinnung und über Tage auf der Kokerei beim Koks
fahren und Ofenfüllen beschäftigt. Bei der Kohlengewinnung erfolgt
allgemein die Entlohnung nach Gedingesätzen, über Tage aus der
Kokerei vorwiegend im Schichtlohn.
Die Gründe, weshalb die Arbeiter zunächst bei der Kohlengewin
nung im Schichtlohn arbeiteten, bestanden einmal darin, daß, wie in
dem Berichte des Revierbeamten vom 19. Oktober 1915 angegeben ist,
die hiesigen Hauer sich anfangs weigerten, mit den ausländischen Ar
beitern im Gedinge zu arbeiten, dann aber auch darin, daß nach An-