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auch Rußland diese Zollermäßigung zugestanden wird, woran wir nicht zweifeln,
da Differentialzölle nach unserer Ansicht unmöglich zugelassen werden können, weil
sie im Allgemeinen schädlich wirken, so kann sehr leicht durch die Inbetriebsetzung
von Schneidemühlen an der russischen Grenze und Einfuhr geschnittener Waaren
außer dem Holzhandel auch unsere Müblenintustric stark benachtbeiligt werden.
Der Nachlaß des Zolls auf geschnittene Bretter, womit die Konkurrenz in Schweden.
Norwegen und den Ländern die Anspruch darauf haben, uno voraus ist, beträgt
Mk. 1,20 pr. Festín, oder 5,65 pr. Pet. Standard und ist dieses ganz besonders
bei den minderwerthigcn Waaren eine nicht zu unterschätzende Ziffer. Wenn wir
daher der Erwartung Raum geben, daß die königliche Staatsregierung Mittel und
Wege finden muß, um unserem Handel auf andere Weise Erleichterungen zu ge
währen, die den Nachtheil wenigstens verkleinern, so glauben wir kein unbilliges
Verlangen zu stellen und würden, wenn eine Aufhebung des Zolles auf Roh
materialien augenblicklich auf zu viel Widerstand stoßen würde, auch schon eine
theilweise Verbesserung in der von uns schon zu verschiedenen Zeiten angeregten
Ermäßigung des Zolls auf Abfälle sehen."
Borsteheramt der Kaufmannschaft zu Tilsit.
„Die im vorjährigen Berichte gehegte Erwartung des Abschlusses von Handels-
Verträgen mit befreundeten Staaten ist zu unserer großen Freude in Erfüllung
gegangen und hoffen wir. aus diesen Verträgen auch für den Handel unseres Be
zirkes Vortheile ziehen zu können. Diese Freude wird jedoch durch das gegen
unsere Petition leider nur für Oesterreich Ungarn gemachte Zugeständniß einer
Ermäßigung der Getreide- und Holzzölle gedämpft. Es bleibt uns nur der Wunsch,
daß die daraus zu erwartenden Nachtheile für unsern Getrcidehandel und unsere
Holzindustrie nicht zu große werden möchten!"
.‘i. provin; Weftpreußen.
Borsteheramt der Kaufmannschaft zu Danzig.
„Wenn wir nur mit sehr getheilten Gefühlen aus das abgelaufene Iabr
zurückblicken können, so liegt das zunächst daran, daß der Geschäftsgang zettlick,
sowohl wie nach den einzelnen Geschäftszweigen ein sehr ungleichförmiger war:
Perioden großer Lebhaftigkeit wechselten fast unvermittelt mit solchen fast völliger
Stagnation, und der allgemeine Charakter, welcher sonst Zeiten geschäftlichen Auf
schwungs zu eignen pflegt, nämlich eine allgemeine Aufwättsbewegung, bei welcher
en, Handelszweig den ander» mit fortreißt, fehlte gänzlich. Ein zweiter Grund
eafur, das; das Jahr 1891 im Ganzen wenig freundliche Erinnerungen hinterlassen
hat, liegt darin, daß eine Besserung in den für das wirtbschaftliche Gedeihen
unseres Platzes entscheidenden Verhältnissen wiederum nicht eingetreten ist. Wobl
erhofften wir sie von den geschlossenen Handelsverträgen, wenngleich unsere Hoff
nungen bei dem protektionistischen Zuge, der auch die neuen Verträge durchweht,
bescheiden genug waren. Aber unsere maßgebenden gesetzgeberischen Kreise hielten
eS zunächst noch nicht für angebracht, auch den Osten und besonders seine Häfen
des Segens der neuen Zollära theilhaftig werden zu lassen, sondern erachten an
scheinend d,e Widerstandsfähigkeit der letzteren groß genug, um - im Interesse
der industrie und deö Handels der Mitte und vor Allen, des wohlhabenden
es ens des Reiches auch noch die furchtbare Belastungsprobe ertragen zu