Full text : Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

Der  deutsche  Imperialismus.

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große  Anpassungsfähigkeit  an  die  jeweiligen  Bedürfnisse  der  fremden
Märkte,  eine  durchgreifende  Arbeitsteilung  und  außerordentliche  Organisationskraft ­
  der  Unternehmer.  Das  Ganze  krönte  die  Großzügigkeit  der
inneren  und  der  äußeren  Wirtschaftspolitik  des  Reiches,  die  allerdings
seitdem  Sturze  Bismarcks  (1890)  sich  immer  mehr  den  kriegerischen
Mitteln,  der  angeblich  unvermeidbaren  Austragung  des  Wettbewerbes
mit  den  Waffen  zuneigte.  Im  Anfänge  des  Jahres  1914  war  der  Gesamtumsatz ­
  Deutschlands  in  Ein-  und  Ausfuhr  auf  18  Milliarden  gestiegen.
Dazu  war  der  Wettbewerb  Deutschlands  in  Frankreich  infolge  der
im  deutsch-französischen  Krieg  erstrittenen  ewigen  Meistbegünstigung ­
  nach  Art.  11  des  Frankfurter  Friedens  von  1871,  in  England  infolge
des  Freihandelssystems  und  in  Rußland  infolge  der  Handelsverträge
von  1894  und  1904,  durch  keine  oder  kaum  empfindliche  rechtliche
Schranken  beengt.
Das  eigentliche  Betätigungsfeld  des  Imperialismus  aber,  die  K  o  1  onialWirtschaft
  betrat  Deutschland  noch  unter  Bismarck  sehr
zögernd.  Ihm,  dem  noch  laut  seiner  Reichstagsrede  vom  5.  Dezember
1876  die  Orientpolitik  „nicht  die  Knochen  eines  pommerschen  Grenadiers“ ­
  wert  war,  schien  die  Ablenkung  Frankreichs  von  dem  Vogesenloche
  und  die  Begünstigung  der  französischen  wie  englischen  Kolonialpolitik ­
  geboten.  Er  wollte  keine  „kolonialen  Provinzen“  erwerben.
Kur  die  Gewährung  des  Schutzes  an  die  auf  dem  Wege  des  natürlichen ­
  Wettbewerbes  entstandenen  Handelsniederlassungen  galt  ihm
als  möglich,  ohne  nennenswerte  Flotte  und  ohne  kriegerische  Auseinandersetzung. ­
  Ihm  schien  das  französische  Kolonialsystem,  das  sofort  mit  dem
Landerwerb  und  der  militärisch-bureaukratischen  Verwaltung  einsetzte
und  Auswanderer  heranzog,  zu  künstlich  geschaffen  (E  g  e  1  h  a-  a  f,  Geschichte ­
  179).  Er  wollte  nur  den  hanseatischen  Unternehmern  den
Schutz  des  Reiches  gegen  Angriffe  der  unmittelbaren  Nachbarschaft
und  gegen  Schädigungen  durch  andere  europäische  Mächte  gewähren.
Er  hatte  England  bereits  im  Jahre  1876  die  Besetzung  Ägyptens
angeraten  und  im  Jahre  1881  eine  französische  Anfrage  wegen  des  Erwerbes ­
  von  Tunis  zustimmend  beantwortet.  So  war  die  Bismarcksehe
  Außenpolitik  eine  Kompensationspolitik,  wie  er  es  in
der  sogenannten  Do-ut-des-Rede  vom  10.  Januar  1885  ausfühxte.  Der
Rechtsform  nach  entschied  er  sich  für  das  englische  Kompaniesystem, ­
  d.  h.  für  die  Verleihung  von  Hoheitsrechten  an  Handelsunternehmungen, ­
  was  sich  allerdings  bald  als  unhaltbar  herausstellte.  Die
Kolonialpolitik  Bismarcks  wurde  schließlich  durch  die  Berliner
Kongokonferenz  von  1884—1885  gekrönt,  deren  Generalakte  vom
26.  Februar  1885  bereits  Ansätze  zu  einer  internationalen  Regelung ­
  der  Kolonialpolitik  zeigen.  In  der  Folge  ging  aber  Deutschland  aus
mehrfachen  Ursachen  über  das  Kolonialprogramm  Bismarcks  hinaus.
            
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