Contents: Neuere Zeit (Abt. 2)

576 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
et furiosa, die schon dem mittelalterlichen Rom, erst recht aber 
dem Rom der nachreformatorischen Zeiten unter allen Um— 
ständen verhaßt blieb. 
Mit dem Jahre 1709 schließt im allgemeinen der italienische 
Krieg; alles konzentriert sich auf den niederländischen Kriegs⸗ 
schauplatz. Oder vielmehr: die Ziele des Krieges ändern sich: 
hatte die Große Allianz, durch Frankreich gereizt, früher um 
das spanische Erbe gestritten, so trat dieses Ziel allmählich an 
zweite Stelle: Frankreich ganz allgemein zu knebeln und zu 
demütigen dagegen an die erste — und damit war es ver— 
knüpft, daß sich der Krieg an alle Grenzen zog, von denen 
aus Frankreich am leichtesten verwundbar erschien, und somit 
wiederum vornehmlich an die niederländische. 
Nun hatte Marlborough, der Oberstkommandierende der 
Großen Allianz an dieser Stelle, den Franzosen schon im 
Jahre 1706, am 283. Mai, eine vernichtende Niederlage bei— 
gebracht, ein Vorspiel gleichsam der Ereignisse desselben Jahres 
bei Turin: wie bei Turin die italienische, so ging bei Ramillies 
eigentlich schon die angestrebte niederländische Herrschaft den 
Franzosen verloren. Es war der Augenblick, da die Maintenon 
von Ludwig XIV. schrieb: der König ist groß, aber er leidet. 
In der Tat hatte Ludwig Grund genug in sich zu gehen. 
Sein Land war zerrüttet; noch ein oder zwei Heere mochte es 
dielleicht mit letzter Anstrengung aufbringen: dann mußte das 
Chaos hereinbrechen. Und so hatte der König schon vor 
Ramillies Friedensverhandlungen versucht und versuchte sie 
erst recht nachher. Aber ohne Ergebnis. Und nirgends woher 
Rettung! Spanien zweifelhaft, Italien verloren, Ungarn außer 
Gefecht gesetzt, und Schweden, der treue Freund des Nordens, 
in einen Riesenkrieg mit den baltischen Mächten und Sachsen 
derart verstrickt, daß eine Verquickung west- und osteuropäifscher 
Vorgänge zu Frankreichs Vorteil nicht möglich schien! 
Der Krieg ging seinen Gang weiter. Im Jahre 1708 
leitete die Große Allianz ein System von Offensivstößen gegen 
Frankreich ein: von Belgien her, von der Mosel aus, vom 
Oberrhein gegen das Elsaß. Ludwig suchte den dreifachen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.