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war die Strecke bis Morschansk fertiggestellt worden; 1874 wurde über
Pensa die Wolga in Sysran und Batraki erreicht, und während sich der
gewaltige Brückenbau noch einige Jahre hinzog und 1880 vollendet
wurde, wurde jenseits der Wolga über Samara und Kinel im Jahre 1876
Orenburg am Eingang nach Asien der Bahn angeschlossen. Daß in Kinel
die große sibirische Bahn anschließen könnte, lag zunächst dem Gesichts
kreis der Verkehrspolitiker völlig fern.
Ziemlich gleichzeitig mit der Ausführung der Süd- und Ostprojekte
gingen auch Pläne im vernachlässigten mittleren Westen in Erfüllung.
Die Baltische Bahngesellschaft eröffnete 1870 die Linie (St. Peters
burg—) Gatschina—Reval—Baltischport, der die im Jahre 1873 von
einer Privatgesellschaft gebaute finnische Linie Hyvinkä (Hyvinge)—
Hangö keine große Konkurrenz bereiten konnte, so daß sie bei schlechten
Abschlüssen bereits 1875 verstaatlicht werden mußte. Das Ziel, das den
Erbauern vorschwebte, eine große Linie Petersburg—Hangö zu schaffen,
die dem Verkehr mit den baltischen Ländern, namentlich mit Schweden,
dienen sollte, war nur sehr unvollkommen gelungen. Auch einer der
vortrefflichsten Häfen an der baltischen Küste, Libau, erhielt 1871 eine
Eisenbahn, zunächst freilich mit verhältnismäßig einseitiger Orientierung,
indem die Bahn durch Litauen (über Murawiewo, Radsiwilischki) nach
Koschedari (Wilna) ging. Sie wurde schon im Jahre 1874 über Minsk,
Shlobin, Homel, Bachmatsch nach Romny ins Herz der Ukraine durch
geführt: ein gutes Unternehmen, dessen wirtschaftliche Folgen sich
von selbst ergaben und das neben den älteren Strecken der baltisch
großrussischen Verbindung Riga—Orel 1 ) eine neue Verknüpfung der
Ostseehäfen mit dem fruchtbaren Ackerbaugebiet bezweckte, das aber
den Vorzug hatte, daß die ganze Strecke nur einer Gesellschaft, der
Libau-Romnyer, gehörte. 1873 folgten zwei weitere für Libau wichtige
Verbindungen. Radsiwilischki wurde mit Kalkuhnen (Dünaburg),
Murawiewo mit Mitau * 2 ) vereinigt.
Das mittlere Großrußland mit Moskau als Ausgangspunkt empfing
in diesen Jahren endlich die erste Verbindung mit den Weichselprovinzen.
Die politische Bedeutung hat ihr Antragsteller stark betont, sie lag
ja auch auf der Hand. Die Linie, die zu den Selbstverständlichkeiten
des russischen Verkehrs gehörte, war aber auch sonst unbedingt not
wendig. Die Terespoler Bahngesellschaft hatte bereits 1867 Warschau
mit Terespol (Brest) über Sjedlez verbunden. Die Vereinigung Brests
mit Moskau setzte sich eine dieserhalb gegründete neue Gesellschaft
zum Ziel, die hiermit eine der bedeutendsten und längsten Linien schuf.
Smolensk konnte man von Moskau bereits 1870, Brest über Minsk 1871
erreichen.
x ) Die Dünaburg-Witebsker Gesellschaft hatte ihre Linie bereits 1866, die
Witebsk-Oreler die ihrige 1868 eröffnet.
2 ) Die Strecke Mitau—Riga war schon 1868 vollendet worden.