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österreichischen Grenzgebiet. Die Bahn Grodno— Suwalki—Orany hatte
auch wirtschaftliche Bedeutung, berücksichtigte aber auch den Stütz
punkt Olita am Njemeja. Überwiegend strategischen Gründen verdanken
auch die kleinen Bahnen in Wolynien um den Festungs- und Bahn
mittelpunkt Rowno ihre Entstehung, • namentlich die von der Militär
verwaltung gebaute Strecke von Kiwerzy nach dem befestigten Luzk,
weniger die Linie von der Festung Dubno nach Kremenez (1896).
b) Der Staat zieht zur Mitarbeit seit den neunziger Jahren die Privat
industrie wieder stärker heran und begünstigt die Bildung namentlich
großer Privatgesellschaften.
Wenn man auch unter Alexander III. und nach ihm unter Nikolaus 11.
den Wert der westlichen Bahnen für den Staat erkannte, so würde
man die Eisenbahnpolitik falsch charakterisieren, wenn man sie grund
sätzlich privat bahnfeind lieh nennen würde. Sie nahm sogar namentlich
seit den neunziger Jahren in gewissem Maße den Privatbahnen gegenüber
eine freundliche Stellung ein: gelang ihr doch die Konsolidierung und
die Zusammenfassung des' chaotischen Durcheinanders nach west
europäischen Prinzipien, deren die russischen Privatbahnen in hohem
Grade bedurften. Ein Vorbild hatte der Staat in der Warschau-Wiener
Bahn, die 1890, nachdem ein Versuch 1885 mißlungen war, die Warschau-
Bromberger Bahn ankaufte. Die dritte Periode der russischen Eisen
bahngeschichte wird also dadurch gekennzeichnet, daß neben der Vor
herrschaft des Staates die Mitarbeit der Privatgesellschaften bestehen
bleibt. Indem der Fiskus sich im wesentlichen als Arbeitsfeld den
Westen vorbehält, beschränkt er in der Hauptsache den Wirkungskreis
der Privat bahnen auf den Osten.
Es ist die gut gehende Moskau-Rjäsaner Balm, die, indem ihr durch
den Beschluß vom 11. Juni 1891 der Bau der Bahn Rjäsan—Kasan über
tragen wurde, eine auf bau ende Periode im Privateisenbahnwesen ein
leitet. Kasan, das schon Gerstner ln sein Liniennetz einbeziehen
wollte, erhielt somit endlich eine Bahn. Für die Anfangsstrecke einer
sibirischen Bahn kam freilich diese Linie nicht mehr in Frage. Mit
großer Geschwindigkeit wurde der Bau gefördert und über Rusajewka,
Timirjasewo, Alatyr und Swijashsk mit Ausnahme des Übergangs über
die Wolga 1893/94 zu Ende geführt. Die Gesellschaft führt seitdem
den Namen Moskau-Kasaner Bahn. Aber nicht nur in Swijashsk erreichte
die Kasaner Bahngesellschaft die Wolga. Durch die 1898 fertiggestellten
Linien Rusajewka—Insa—Sysran und Insa—Simbirsk war sie weiter
für die Erschließung des sehr vernachlässigten mittleren Wolgagebietes
tätig. Ähnliche Verdienste hat sich ein anderes gutes Unternehmen,
die Rjäsan-Koslower Gesellschaft, für die südwärts angrenzenden Gebiete
erworben. Ihr wurden im Januar 1892 die einige Jahre vorher ver