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tätigkeit beginnt. In diesen Jahren bahnt sich auch eine Besserung
der wirtschaftlichen Verhältnisse der Privatbahnen an.
Die Verstaatlichungsaktion nimmt zunächst ihren Fortgang. Das
Jahrzehnt von 1890 bis 1900 ist die wichtigste Verstaatlichungsperiode
der russischen Eisenbahngeschichte. Eine Reihe bedeutender Gesell
schaften werden in diesen Jahren verstaatlicht. Die Periode leitet ein
die Bahn Koslow—Tambow 1890, der 1891 Libau—Romny folgt 1 ), 1892
Kursk—Charkow—Asow, Orel—Grjasi und Warschau—Terespol, womit
auch die Bahnen Brest—Cholm und Sjedlez—Malkin an den Staat
zurückfielen 2 ). 1893 werden verstaatlicht Moskau—Kursk, die Oren-
burger Gesellschaft, die Baltischen und die Donezbahnen 3 ), 1894 die
Große Russische Eisenbahngesellschaft, mit der der Staat noch im Jahre
1891 den Vertrag erneuert hatte, Orel—Witebsk, Dünaburg—Witebsk,
Riga-Dünaburg 4 ), Riga—Bolderaa 5 ), die Mitauer Eisenbahngesellschaft,
Riga—Tukkum, Nowotorshok 6 ), Losowaja—Sewastopol, 1895 die Nowgo
rodbahn 7 ), die Borowitschibahn 8 ) und die große, über 3000 W umfassende
Südwesteisenbahngesellschaft. Ein ausgedehntes Bahnnetz war somit
in die Hände des Staates erkauft worden. Mögen in den ersten Jahren,
in denen auch Gesellschaften des Ostens Staatseigentum wurden, die
politischen Motive noch zurückgestanden haben, so werden diese seit
etwa 1892/93 in den meisten Fällen ausschlaggebend gewesen sein.
Das Verhältnis zu Preußen-Deutschland, das seit 1878 nicht mehr un
getrübt war, war auch in der Folgezeit noch recht gespannt und blieb es
ebenso in den Jahren, die der großen Verstaatlichungsaktion voraus
gingen. Wie wichtig mußten da in den Händen des Staates Strecken
wie Warschau—Terespol (—Brest), die Baltischen Bahnen und die
sonstigen in den Grenzprovinzen befindlichen Linien sein. Die nament
lich hier in Betracht kommende Strecke St. Petersburg—Warschau und
die Linie St. Petersburg—Moskau stellten obendrein die Verbindungen
zwischen den einzelnen Systemen der Staatsbahnen her. Wie bedeutsam
x ) Der Verstaatlichung der Libau-Romnyer Eisenbahn hatte der Staat durch
die Anlage der Strecke Romny—Krementschug (1888 eröffnet) vorgearbeitet.
Sie fand in Krementschug, dem wichtigen Dnjeprübergang, Anschluß an die ver
staatlichte Charkow-Nikolajewer Bahn.
2 ) Vgl. oben S. 15.
3 ) Die Donezbahnen wurden den staatlichen Jekaterinenbahnen zugeteilt.
4 ) Die Riga-Dünaburger Gesellschaft betrieb auch die kurze, 1872 eröffnete
Strecke Riga—Mühlgraben. Dünaburg erhielt 1893 den offiziellen Namen Dwinsk.
5 ) Die Gesellschaft Riga-Bolderaa beschränkte sich auf den Betrieb der nur
17 W langen Strecke Riga—Bolderaa—Hafendamm und war wohl die kleinste
der russischen Eisenbahngesellschaften.
6 ) Vgl. oben S. 16, Anm. 2.
7 ) Die schmalspurige Nowgorodbahn (Tschudowo—Nowgorod) wurde 1871
eröffnet, 1878 wurde sie bis Staraja Russa durchgeführt.
8 ) Die 1877 eröffnete Borowitschibahn verbindet die Stadt Borowitschi mit
Uglowka an der Nikolaibahn (29 W).