Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Zeit doch höchstwahrscheinlich die Notwendigkeit der jetzigen Ab 
kürzung über Malaja Wischera ergeben, wie zahlreiche Beispiele aus 
jüngster Zeit in anderen Staaten beweisen 1 ). Gewiß heben die Ver 
waltungen bei der Gründung neuer Bahnen die strategische Bedeutung 
einseitig hervor * 2 ) und stellen wirtschaftliche Momente ganz zurück, 
entsprechend übrigens vielen Vorgängen auch in West- und Mitteleuropa. 
Aber aus dem Stillschweigen der Befürworter über die wirtschaftliche 
oder verkehrsgeographische Bedeutung einer Bahn wäre es doch verfehlt, 
diese zu übersehen, wie es häufig geschieht. Man kann sagen, daß von 
Amts wegen strategische Gründe den Bahnbau erforderlich machen 
mußten, daß aber der Bau meist große wirtschaftliche Folgen mit sich 
brachte. Damit soll natürlich nicht verschwiegen werden, daß bei 
manchen Anlagen allerdings der strategische Gesichtspunkt augen 
scheinlich zutage trat. Meist handelt es sich um weniger wichtige 
Bahnen, so bei der Linie Sjedlez—Polotzk—Bologoje, einer Reihe von 
Linien zu den polnischen Festungsplätzen und den meisten Poljesje- 
bahnen. Im geschichtlichen Teil wurde bereits auf diese Bahnen hin 
gewiesen. Bei den neuerdings weit nach Norden hingestreckten finnischen 
Bahnen sprechen strategische Gründe ebenfalls mit, sind aber sicherlich 
nicht allein maßgebend gewesen. Es ist zweifellos übertrieben, wenn 
nach publizistischen Äußerungen auch das finnische Bahnnetz aus 
schließlich nach strategischen Gesichtspunkten gebaut worden sei. 
Wenn gesagt worden ist, daß die für die wirtschaftliche Erschließung 
des Landes notwendigen Eisenbahnen abgelehnt worden seien, daß da 
gegen gegen den Wunsch der Finnländer der Bau der Eisenbahnen 
sich nach der Küste und der schwedischen Grenze richte, so wird hier 
die Lage der meisten bedeutenderen Städte an der Küste einfach ignoriert. 
Es ist auch auf die Bahn nach den Quarken hingewiesen worden, wo der 
bottnische Meerbusen leicht zu überschreiten ist. Wer die Bahnbauten 
in diesen Gegenden bekämpft, würde also für die Bahnlosigkeit von 
Nikolaistad (Vasa), einer der größeren finnischen Provinzstädte, ein- 
treten 3 ). Man kann fragen, wie ein nicht von strategischen Gesichts 
punkten geleitetes Unternehmen das finnische Bahnnetz gebaut hätte. 
*) Eine kleine Verlängerung trat übrigens in den Jahren 1877—80 auf der 
Nikolailinie durch die Umgehungsbahn von Werebje zwischen den Stationen 
Burga und Torbino ein. Die Länge der Nikolaibahn erhöhte sich dadurch von 
605 auf 610 Werst. 
2 ) So wenn Graf Berg den Bau der Bahn von Smolensk nach Brest befür 
wortet (Ischchanian S. 219, Anm. 1). 
3 ) Die im Bau begriffene Bahn, die von Wiborg aus quer durch das Groß 
fürstentum nach Nikolaistad geführt werden soll, wird sicherlich in erster Linie 
aus strategischen Gründen heraus gebaut, kommt aber auch der ostbottnischen 
Küste zugute, die bisher nur auf eine einzige, große Umwege machende, eingeleisige 
Bahn angewiesen war. Die Fahrt nach Nikolaistad und den nördlich gelegenen 
Küstenplätzen wird durch sie erheblich abgekürzt.
	        
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