Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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wurde  die  Strecke  Belzec—Tomasehow—  Samostje  für  den  allgemeinen
Verkehr  freigegeben,  und  ein  paar  Wochen  später  eröffneten  die  Österreicher ­
  die  Bahn  Samostje—Lublin,  ebenfalls  ein  lang  geplantes  russisches
Projekt,  so  daß  eine  direkte  Verbindung  zwischen  Lemberg  und  Lublin
(Warschau)  zustande  kam.  Galiziens  Russenzeit  verwirklichte  auch
die  in  Frieden,szeiten  noch  nie  aufgetretene  Verbindung  von  Wladimir
Wolynski  mit  Sokal,  so  daß  eine  weitere  Verknüpfung  der  südpolnischwolynischen
  Bahn  (Kowel)  mit  Lemberg  ermöglicht  wurde.  Was  den
Russen  in  ihren  gen  Preußen  gelegenen  Grenzmarken  infolge  des  aufund
  abwogenden  Kampfes  nicht  gelingen  konnte,  war  ihnen  infolge  der
zehnmonatlichen  Besetzung  von  Galizien  teilweise  gelungen:  die  Schaffung ­
  neuer  Bahnverbindungen  zwischen  Polen  und  Mittel-  sowie  Ostgalizien ­
 1 ).  Die  Besitznahme  des  größten  Teiles  des  Gouvernements
Plozk  seit  Dezember  1914  durch  die  Deutschen  ermöglichte  in  diesem
bahnlosen  Gebiet  die  Herstellung  eines  Kleinbahnnetzes,  so  zunächst
die  Verbindung  der  Hauptstadt  mit  Sierpez  und  Szrensk,  der  eine  Linie
von  Plozk  nach  Lipno  und  Kikol  folgte.  Was  eine  Jahrzehnte  hindurch
mit  bewußter  Absicht  aufrecht  gehaltene  volks-  und  kulturfeindliche
Politik  versäumte  und  vernachlässigte,  das  machte  eine  kurzmonatliehe
Friedensarbeit  der  Deutschen,  dazu  im  Kriege,  wieder  gut 1  2 ).  —
Es  ist  natürlich  nach  Beendigung  des  ersten  Kriegsjahres  noch  nicht
möglich,  sich  über  die  Bewährung  des  russischen  Bahnnetzes  während
der  kriegerischen  Operationen  auszulassen.  Schon  vor  der  Kriegserklärung ­
  sagte  man  von  der  russischen  Ministerbank,  daß  Rußland
ein  Recht  habe,  mit  der  Mobilmachung  früher  zu  beginnen  als  Deutschland, ­
  da  ihm  nicht  das  ausgezeichnete  Bahnnetz  zur  Verfügung  stehe
und  sich  ohnehin  in  einem  so  ungeheuren  Reiche  die  Mobilmachung
schwerfälliger  vollziehen  müsse.  Sicherlich  hat  sich  die  Mobilisation
und  der  Aufmarsch  nicht  zuletzt  dank  dem  leidlich  ausgebauten  Bahnnetz ­
  und  den  für  den  Anmarsch  namentlich  in  Betracht  kommenden
zweigeleisigen  Linien  für  russische  Verhältnisse  überraschend  gut  und
flott  vollzogen.  Auch  in  Westeuropa  hielt  man  mit  der  Anerkennung
nicht  zurück 3 ).  Während  der  kriegerischen  Vorgänge  selbst  konnte
1 )  Auch  sonst  hatten  die  Russen  in  dem.  von  ihnen  geräumten  Südostpolen
Bahnen  verschiedener  Art  angelegt.  So  fanden  sich  bei  der  Kreisstadt  Bilgoraj
Reste  einer  von  Norden  hergeleiteten  Pferdeeisenbahn.  In  Rejowiec  an  der  Strecke
Lublin—Cholm  begann  eine  Feldbahn,  die  der  Straße  entlang  über  Krasnostaw
nach  Samostje  (Zamosc)  führte.  Vor  dem  Abzug  der  Russen  nach  Norden  wurde
freilich  diese  Bahn  ziemlich  gründlich  zerstört.
2 )  Auch  die  Bahnverbindung  des  seit  dem  7.  Mai  1915  besetzten  Libau  mit
der  nur  75  W  entfernten  preußischen  Grenze  wurde  in  die  Wege  geleitet,  nach
englischen  Berichten  auch  die  des  litauischen  Schawli  (Schaulen)  mit  Preußen.
3 )  Eine  englische  Quelle  berichtete,  daß  sich  auf  dem  Doppelgeleise  von  Moskau
nach  Brest  eine  endlose  doppelte  Reihe  von  Zügen  bewegt  habe.  Tag  und  Nacht  soll
das  angehalten  und  die  Mobilmachung  angeblich  in  16  Tagen  beendet  gewesen  sein.
            
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