Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Jahrzehnt herrschte und das von einer Konzentrierung weiter entfernt 
war als in anderen europäischen Staaten, mußte natürlich einem groß 
zügigen Verkehr in hohem Maße hinderlich sein. Das Eingreifen des 
Staates und die Zusammenfassung eines 'ausgedehnten Bahnnetzes in 
seiner Hand, so daß der russische Staat sich in Kürze zum Besitzer 
des größten Eisenbahnsystems in Europa entwickeln wird, haben hier 
verbessernd gewirkt. 
Das Durchlaufen ausgedehnter Bahnstrecken durch ganze Züge 
wird in Rußland dadurch erleichtert, daß nicht etwa wie in Frankreich 
den Gesellschaften ein bestimmter, territorial immerhin beschränkter 
Wirkungskreis eingeräumt ist, sondern daß die ursprüngliche Aufgabe 
der Gesellschaften häufig die Verbindung zweier weit entfernter Orte, 
etwa eines Hafens mit einer zentral gelegenen Stadt, war. So ent 
standen im Besitz des Staates und der Gesellschaften ausgedehnte 
Einheitslinien, wie sie in Frankreich kaum mehr möglich sind 1 ). In 
Rußland ist es fast selbstverständlich, daß die Moskau-Windau-Rybinsker 
Bahngesellschaft auf ihrer Strecke Windau—Kreuzburg—Rshew—Moskau 
(1096 km, 1027 W) ohne weiteres auch durchgehende Personenzüge 
laufen läßt oder daß der Staat auf der ehemaligen Privatlinie Riga- 
Smolensk—Orel in jeder Richtung vier 1000 km und hiermit sehr ver 
schiedene Landschaften durchquerende Personenzüge einstellt. 
Es ist erstaunlich, was in dieser Hinsicht im Zarenreiche geleistet 
wird, und das gilt auch für die Linien, auf denen eigentliche Schnellzüge 
nicht verkehren. Von den in nicht großer Zahl vorhandenen Stichbahnen 
und den meist privaten Schmalspurbahnen abgesehen, gibt es kaum 
eine Linie, die nicht in den Dienst eines durchgehenden, mit anderen 
Strecken korrespondierenden Verkehrs gestellt wäre. Selbst Züge, die 
bei einer ganz geringen Geschwindigkeit den Eindruck von Lokalzügen 
erwecken, übernehmen oft Wagen anderer Linien. Während bei uns 
nur selten dieselben Wagen mehrere Nichtschnellzuglinien bedienen, 
werden sie in Rußland über verschiedene weit ausgedehnte Strecken 
geführt. Aber auch in russischer Spur gebaute Stichbahnen haben 
zuweilen einen unmittelbaren Zug- oder Wagenanschluß an die größeren 
Verkehrslinien. Bemerkenswert ist, daß Wagen der internationalen 
Schlafwagengesellschaft nicht nur in sogenannte Schnellzüge, sondern 
auch in Züge eingereiht werden, die schlechthin nicht Schnellzug 
charakter haben, so zwischen St. Petersburg und Reval, zwischen Libau 
und Riga, zwischen Riga, Kreuzburg und Moskau usw. In Rußland 
scheinen bei der Wagenführung fast nirgendwo derartige Schwierigkeiten 
zu bestehen, wie sie in Mitteleuropa bei an und für sich freilich weit 
J ) Selbst die im Besitz der größten französischen Bahngesellschaft Paris- 
Lyon-Mediterranee befindliche Strecke Paris—Lyon—Marseille ist immerhin nur 
862 km lang. 
Tuckermann, Verkehrsgeographie. 
G
	        
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