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verkehr. Durchschnittlich fahren auf ihnen doppelt so viele Güter- als
Personenzüge. Auf den durch hochstehende industrielle oder land
wirtschaftliche Gebiete gelegten Strecken erhöht sich die Zahl der Güter
züge noch. Der gute Schiffsverkehr, auf den weite Landschaften, ja
für einen großen Teil des Jahres selbst Großstädte unter sich in erster
Linie angewiesen sind, mindert die Einnahmen der Eisenbahnen zwar.
Aber trotzdem sind die Bahneinnahmen aus dem Güterverkehr weit
höher als die aus dem Passagierverkehr. Die Untersuchungen seien hier
auf den Personenzugverkehr beschränkt. Man wird auch hier nicht
den mitteleuropäischen Maßstab an die russischen Bahnen anlegen
wollen. Es klingt zwar zunächst recht rückständig, wenn auf einer
.Reihe von Linien tagtäglich in jeder Richtung nur ein Zug verkehrt.
Tatsächlich wird man aber die Leistung, die jeden Tag die Stellung
eines Zuges nach Archangelsk, Kotlas, Uralsk, Astrachan und Kamyschin
ermöglicht, doch nicht gering veranschlagen dürfen. Handelt es sich
doch um vorgeschobene Linien, die ohne weitere Verzweigung die letzten
Ausläufer des russischen, ja des europäischen Verkehrs sind und sehr
gering bevölkerte Gegenden durchziehen. Daß auf der Strecke Moskau—
Murom—Kasan je zwei durchgehende Züge täglich verkehren, ist in
Anbetracht dessen, daß auf der 965 km langen Strecke — von derselben
Ausdehnung wie die Strecke Köln—Berlin— Schneidemühl—Thorn —
nur drei Städte über 10 000 Einwohner liegen, ebenfalls beachtenswert.
Einem täglich von sechs Zügen bedienten Verkehr auf der ungeheuren,
meist durch Wüsten gestreckten und über 2200 km langen Trasse
(Samara—)Kinel—Orenburg—Taschkent wird auch der durch eine
rege Zugfolge auf seinen heimischen Linien verwöhnte. Westdeutsche
die Achtung nicht versagen dürfen. Im außerrussischen Europa sind
die nur von zwei Zügen .gefahrenen Linien fast ganz auf die iberische
und die südosteuropäische Halbinsel beschränkt 1 ). Auch in Rußland
ist die Zahl der Linien mit diesem geringen Verkehr sehr zurückgegangen.
Heute haben noch 6200 km (über 12°/ 0 aller Linien) einen Verkehr von
nur zwei,Zügen. Im westlichen Rußland fehlen sie fast ganz, in Polen
ganz, und auch in Zentralrußland sind es nur noch einige Linien, die
in keinem Zusammenhang miteinander stehen und meist rein landwirt
schaftliche Bedürfnisse befriedigen. Dagegen sind im östlichen und
nördlichen Rußland eine noch große Zahl verkehrsarmer Strecken
vorhanden: außer den schon genannten eine Reihe von Stichbahnen
im Ural.
Weit größer ist die Zahl der Linien, die sich mit 4 und (ganz selten
mit 3) Zügen begnügen muß. Etwas über 14 200 km (fast 27% aller
x ) Auf Sardinien besteht die 21 km lange Minen bahn Monteponi —Porto vesme
mit gleicher Verkehrsstärke. Auch in Österreich-L T ngarn gibt es noch verschiedene
kurze Linien mit dieser Mindesttagesleistung.