ANONYME REKLAME
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Kunstinstitute, Schulen und Bibliotheken und Spitäler wurden
nach Herrschern und in der neuesten Zeit auch nach verdienten
Personen benannt, um für deren Sinnesart auf diese Weise
ain ständiges Gedächtnis zu sichern.
e) Die anonyme Reklame.
Die anonyme Reklame, welche im Geschäftsverkehre
eine relativ untergeordnete Stellung einnimmt, wird im Dienste
der Personenreklame weitgehendst benützt. Zum Teil gehört
ja auch die gesamte Reklame für Personen durch die Dicht-
kunst und Plastik in dieses Gebiet. Vielfach dienen jedoch auch
literarische Arbeiten diesem Zwecke.
Um die Bevölkerung von den hervorragenden Eigen-
schaften der Fürsten zu überzeugen, werden für deren Tapfer-
keit, Frömmigkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit, Güte, Milde
u. dgl. zahlreiche Beweise teils konstruiert, teils stark aufge-
bauscht und in Form von Bildern, kurzen Erzählungen, Auf-
sätzen für Schulbüchern usw. ständig und systematisch ver-
breitet. Die Leistungen der Untergebenen, soweit sie
erfolgreich sind, werden in der Regel als persönliche Werke
der Herrscher, die Mißerfolge als Fehler der Berater dargestellt.
Dadurch, daß jede Kritik als Majestätsbeleidigung (crimen
laesae majestatis) bestraft wird, wird die Wirkung der Rekla-
men, welche hierdurch unbestritten und allgemein anerkannt
erscheinen, vervielfacht.
III. Reklame für Künstler und andere Persön-
lichkeiten.
Der Zweck der Reklame für Künstler und andere Persön-
lichkeiten liegt darin, die Kreise der Nichtfachleute, d. i. also
die der Laien, zu erfassen, da begreiflicherweise die Fach-
kreise sehr leicht in der Lage sind, den wirklichen Wert einer
Leistung zu beurteilen; die Laienkreise sind jedoch in der
Regel die für den materiellen Erfolg entscheidenden. Dieses
Kapitel befaßt sich daher ausschließlich mit der Einwirkung auf
das Urteil des Laienpublikums im Dienste der Personen-
reklame. Wie groß der praktische Wert eines richtigen Vor-
Paneth, Entwicklung der Reklame.