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Sechstes Buch. Viertes Kapitel.
Herzog, zurückleiteten. Gleichwohl zog die Nation auch diese
entfernte Verwandtschaft noch für die Nachfolge in Betracht;
dabei war von einer Designation durch den letzten Kaiser
keine Rede.
Näher zur Krone erschien unter diesem Gesichtspunkt der
ziltere Konrad. Indes, er hatte mit dem dahingegangenen
Kaiser zeitweis in offenem Zwist gelebt, nachdem dieser das
Herzogtum Kärnten der Konradinischen Familie entzogen und
dem edlen Adalbero verliehen hatte. Zudem erfreute er sich
aur mäßiger Bildung, und die Kirche trug ihm nach, daß er
Gisela, die Witwe Herzog Ernsts von Schwaben, geheiratet
hatte, obwohl sie in einem Grade mit ihm verwandt war, der
kanonische Bedenken erregte. Und so schien es denn Anlaß
genug zu geben, dem älteren Konrad den jüngeren vorzuziehen.
Indes, während des Schwankens der maßgebenden Wähler
im Centrum des Reiches bezeigten Lothringer und Sachsen, die
nordischen Stämme, nicht übel Lust, sich überhaupt zurück⸗
zuziehen oder doch für sich zu verfahren, und so konnte die rasche
Ansetzung eines allgemeinen Wahltages in Camba bei Oppenheim
auf Anfang September 1024, auch bei ungeklärter Kandidatur,
immerhin als ein Anfang glücklicher Lösung betrachtet werden.
In Camba aber wurde, teilweise unter Abwesenheit der
Lothringer und Sachsen, nach vorhergegangenem Verzicht des
jüngeren Konrad, Konrad der Altere gewählt. Am 8. September
wurde dieser dann vom Erzbischofe Aribo in Mainz gekrönt.
Die Wahl selbst ist schon der erste persönliche Triumph
des neuen Königs. Indem er sich vorher mit seinem Vetter
und Rivalen, dem jüngeren Konrad, verständigte, machte er
seine Kandidatur zur einzig denkbaren, bewies er zum erstenmal
jenes außerordentliche diplomatische Geschick, dessen Besitz für
einen deutschen König des 11. Jahrhunderts weitaus wichtiger
war als politische Einsicht im engeren Sinne.
Nach der Wahl galt es, Lothringer und Sachsen zu ge—
winnen. Es geschah überraschend schnell und gründlich. Den
Lothringern gegenüber half sich Konrad mit der einmaligen
und persönlichen Maßregel, seine Gemahlin, deren Krönung der