Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

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der Reproduktion, für jede „kritische“ Epoche und daher auch 
für die Periode der Zersetzung des Kapitalismus kategorisch 
verpflichtend. Zu „normalen" Zeiten, d. h. dann, wenn die Be 
dingungen eines beweglichen Gleichgewichtes des gesellschaft 
lichen Systems vorliegen, kann man auf der Ebene des fetischi 
stischen Ausdruckes der gesellschaftlichen Beziehungen ver 
bleiben, denn er besitzt einen stabilen Charakter und setzt be 
stimmte, ganz reale, materielle gesellschaftliche Arbeitsprozesse 
als seine Grundlage voraus. Die Geldverhältnisse, die Kategorie 
des Wertes usw, sind allgemeine Kategorien der kapitalistischen 
Wirtschaft, und wir können in „normalen“ Zeiten die Analyse 
in diesen Kategorien anstellen, denn für „normale“ Zeiten sind 
sie normal; das Wertgesetz ist die Grundbedingung der anar 
chischen Produktionsstruktur, ist die conditio sine qua non des 
beweglichen Gleichgewichts des kapitalistischen Systems- 
Anders liegen die Dinge, wenn das Produktionssystem sich 
in „anormalen“ Verhältnissen befindet. Dies will sagen, daß die 
Bedingungen des beweglichen Gleichgewichts fehlen. Folglich ist 
es auch methodologisch absolut unzulässig, die Analyse in den 
Wertverhältnissen und in den Kategorien der fetischisierten Ver 
hältnisse überhaupt zu führen. Im Gegenteil, hier muß man die 
Naturalform der Dinge und Arbeitskräfte nehmen, in diesen Ein 
heiten die Rechnung anstellen und die Gesellschaft seihst als 
Organisation von Elementen in ihrer naturaldinglichen Charak 
teristik betrachten*) 
Diesen Grundsatz begriff ausgezeichnet Rudolf Goldscheid: 
*) Dies begreifen leider sogar viele Genossen nicht, die den relativen 
Gesetzen von bestimmter historischer Bedeutung eine übernatürliche abso 
lute Realität zuschreiben. Sogar die im embryonalen Zustand sich befin 
dende gesellschaftliche Buchführung der sozialistischen Wirtschaft „beruht“ 
bei uns auf dieser irrigen Auffassung. Und das geschieht gerade zu einer 
Zeit, wo der Wertausdruck des Geldes inkommensurabel ist mit dem realen 
Arbeitsprozeß und der letztere die Verteilung der Produktivkräfte nicht 
reguliert.
	        
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