Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

zu realisieren anfangen wird. Man wird den Sozialismus auf 
bauen müssen. Die vorhandenen Sach- und Personenressourcen 
bilden bloß den Ausgangspunkt der Entwicklung, die eine ganze 
gewaltige Epoche umfaßt. 
Im Zeitalter des Zerfalls des Kapitalismus kann man, wie 
wir es im vorigen Kapitel gesehen haben, den Kapitalismus nicht 
retten, deshalb, weil die grundlegende Produktivkraft der Gesell 
schaft, die Arbeiterklasse, sich weigert, ihre kapitalistische, kapi 
talbildende Funktion zu erfüllen. Die grundlegende Voraus 
setzung für den sozialistischen Aufbau ist die Transformation 
dieser kapitalbildenden Funktion in eine Funktion der gesell 
schaftlichen Arbeit. Dies ist möglich allein bei der herrschenden 
Lage des Proletariats, d. h. bei dessen Diktatur.*) Nur bei der 
Umwandlung des Proletariats aus einer ausgebeuteten Klasse in 
eine herrschende Klasse ist eine Wiederherstellung des Arbeits 
prozesses, d. h. die gesellschaftliche Reproduktion möglich, 
In diesem Rahmen und auf dieser Grundlage sind die Auf 
gaben, vor denen das Proletariat steht, im großen und ganzen, 
formal, d, h. unabhängig von dem sozialen Inhalt des Prozesses, 
dieselben wie auch für die Bourgeoisie bei der erweiterten nega 
tiven Reproduktion: Sparsamkeit mit allen Hilfsquellen, ihre plan 
mäßige Verwertung, ein Maximum der möglichen Zentralisation, 
Die Erschöpfung, die infolge des Krieges und der Unterbrechung 
des Produktionsprozesses in der Periode des Zerfalls auftritt, er- 
*) Die ziemlich zahlreichen „Forschungen" über „Sozialisierung", die 
von bürgerlichen Professoren herrühren, umgehen natürlich diese Grund 
frage. Siehe K, Bücher: „Die Sozialisierung“, Tübingen 1919; Otto Neurath: 
„Wesen und Weg der Sozialisierung"; Prof. K. Tyszka: „Die Sozialisierung 
des Wirtschaftslebens“, Jena 1919. Vergl. auch Otto Bauer: 1, c.; Rudolf 
Goldscheid: „Sozialisierung der Wirtschaft oder Staatsbankerott . Von 
der kommunistischen Literatur des Auslandes köjjnen wir nur die Broschüre 
eines ungarischen Genossen und zugl, Ingenieurs nennen — Julius Hevesii 
„Die technische und wirtschaftliche Notwendigkeit der kommunistischen 
Weltrevolution". Wien, 1919. 
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