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III. HAUPTTEIL.
auch der Hilfsbund seine Tätigkeit völlig auf das kulturelle
Gebiet überleiten.
Aus der Betrachtung und Zusammenstellung der im
Dienste der vertriebenen Elsaß-Lothringer tätigen Organi
sationen ergibt sich schon ein Bild von den Aufgaben, die
sie zu erfüllen haben. Wir haben diese Schilderung der
einzelnen Organe an den Anfang gestellt, um nicht bei der
Besprechung ihrer Aufgaben ständig auf Organisations
fragen eingehen zu müssen. Vieles kann nun als bekannt
behandelt werden, und wir werden im folgenden das Schwer
gewicht vollkommen auf die Darstellung der Eichtung
legen, welche die Tätigkeit der privaten und staatlichen
Hilfsstellen der Notlage der Vertriebenen entsprechend ein-
schlagen mußte, wie und in welchem Umfange sie sich voll
zog, und wie sie zu beurteilen ist.
B. DIE AUFGABEN DER VERTRIEBENENHILFE
UND IHRE DURCHFÜHRUNG.
1. MASSNAHMEN ZUR ELEMENTAREN BEFRIEDIGUNG
DER FLÜCHTLINGSNOT.
Wir greifen wieder zurück auf die Lage, wie sie in
den ersten Tagen des Dezember 1918 infolge der zahl
reichen Ausweisungen Deutscher aus Elsaß-Lothringen für
Deutschland geschaffen wurde, und wir behandeln die
Schwierigkeiten, die sich der Aufnahme dieser Flüchtlinge
in den Weg stellten, und die Maßnahmen, die zu ihrer Über
windung ergriffen wurden, ihrer zeitlichen Folge ent
sprechend.
Die Flüchtlinge kamen — von Ausnahmen abgesehen
— mit einigen hundert Mark und 20—50 kg Gepäck dies
seits des Rheins an. Ihr übriges Hab und Gut hatten sie
zurücklassen müssen. Anfangs meist höhere Beamte, die
durch Bekannte ein Unterkommen fanden, kamen bald
Angehörige aller Berufe und Stände, die nicht wußten,
wohin sie sich auch nur für die nächste Zukunft wenden
sollten. Die unsicheren politischen Verhältnisse und die
schlechten Verkehrsbedingungen verhinderten viele an einer
Übersiedelung ins Innere Deutschlands. Ein großer Teil