Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

Z  EINLEITUNG.
ein  solches  Mehr  an  "Leiden  und  Lasten  tragen  müssen,  als
die  Gesamtheit,  daß  diese  Gesamtheit  hinwiederum  helfend ­
  dem  Einzelnen  zur  Seite  treten  muß.
Das  soll  wahrlich  nicht  heißen,  es  müsse  nun  jedem
Deutschen,  je  nach  seinem  Anteil  an  Opfern  und  Entbehrungen ­
  der  vergangenen  Jahre,  ein  Platz  näher  oder
ferner  von  der  Sonne  eingeräumt  werden.  Solch  ein  Vergütungsstandpunkt ­
  darf  keinen  Boden  unter  uns  gewinnen.
Was  wir  dem  Vaterland  dargebracht  haben  und  darbringen,
das  wollen  wir  einander  nicht  vorrechnen.
Aber  dieser  Verzicht  auf  Dank  hat  seine  Grenzen.
Stellt  das  dargebrachte  Opfer  die  Existenz  des  Einzelnen
in  Frage,  dann  muß  die  weniger  schwer  getroffene  Gemeinschaft ­
  der  Volksgenossen  aus  ethischen  Gründen  dem
Einzelnen  beispringen  und  Rechtssätze  schaffen,  die  die
Möglichkeit  geben,  ihn  in  eine  der  Allgemeinheit  angepaßte ­
  Lage  zu  erheben.  Aus  diesem  Gerechtigkeitsgefühl ­
  des  besonderen  Opfers  heraus  sind  die  Gesetze  be-,
treffend  die  Erhaltung  und  Unterstützung  von  Kriegshinterbliebenen ­
  und  Kriegsbeschädigten  entstanden.
Vieles  läßt  sich  nicht  ersetzen.  So  weder  liebe  Menschen ­
  noch  die  verlorene  Gesundheit.  'Nur  die  äußeren
Lebensmöglichkeiten  können  wir  verbessern.  Doch  das  ist
unsere  Pflicht.
Und  diese  Pflicht  haben  wir  auch  den  Deutschen  gegenüber ­
  zu  erfüllen,  von  deren  Schicksal  und  heutiger  Lage  ich
im  Rahmen  dieser  Abhandlung  sprechen  will,  gegenüber
den  aus  ihrer  Heimat  von  Heim  und  Arbeitsstätte  vertriebenen ­
  Elsaß-Lothringern.
Krieg,  Revolution,  und  vor  allem  der  sogenannte  „Frieden ­
  von  Versailles“,  haben  dem  deutschen  Volk  so  schwere
Lasten  aufgebürdet,  daß  es  wohl  begreiflich  ist,  wenn  die
Hilfe,  die  nottut,  oft  nicht  in  dem  nötigen  Umfang  und  in
der  rechten  opferfreudigen  Gesinnung  gewährt  wird.  Es
geht  nicht  an,  zwischen  der  Hilfe  für  das  zerstörte  Ostpreußen ­
  und  die  vertriebenen  Elsaß-Lothringer  eine  Parallele ­
  zu  ziehen  1  Wir  leben  in  anderer  Zeit  als  1914/15.
Hiermit  soll  gleich  zu  Anfang  gesagt  werden,  daß  den
            
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