Full text: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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III. HAUPTTEIL. 
verlangen, daß sie auf ihre bisher innegehabte selbständige 
Stellung verzichten und jede Arbeit annehmen, sofern 
sie nur ihre Erhaltung sichert. Bei einer planmäßig groß- 1 
zügig ausgebauten Übernahme hätte man allerdings gerade 
unter den Angehörigen dieser Berufe einen Berufswechsel 
erreichen können, wenn man ihnen die Notwendigkeit eines 
solchen dargestellt hätte und ihnen vor allem unverzüglich 
vom Reich aus die Wege dazu gebahnt hätte. Nun man 
sie einfach sich selbst überließ, war es nur selbstverständ 
lich, daß sie wieder in ihren Berufen unterzukommen such 
ten, was ihnen als völlig Mittellosen nur selten gelingen 
konnte. So waren die Angehörigen dieser Berufsgruppen 
in besonderem Maße auf die Fürsorge des Roten Kreuzes 
angewiesen, trotzdem es gerade diesen Menschen, die stets 
auf ihre errungene Selbständigkeit stolz gewesen waren, 
eine schwere Last bedeutete, von geschenktem Brot leben 
zu müssen. Denn durch die Art der Auszahlung wirkten 
die Unterstützungen, auch wenn sie gegen die Verpflich 
tung der Rückzahlung gewährt wurden, als Wohltätigkeit. 
Andererseits lag in dieser Rückzahlungsverpflichtung, die 
alle Vertriebenen ausstellen müssen, die aus verlorenen 
Werten und anderen infolge der Verdrängung entstandenen 
Verlusten eine Entschädigungsforderung an das Reich 
haben, die Gewähr, daß mit einer Entschädigung durch 
das Reich zu rechnen sei. 
c) DAKLEHENSEßTEILUNG. 
Das lange Warten auf diese Entschädigung mußte 
diese Menschen aufreiben, besonders angesichts der Tat 
sache, daß eine Eingliederung in das deutsche Wirtschafts 
leben mit jedem Tag schwerer wurde. Auch erreichen die 
vom Roten Kreuz ausgezahlten Unterstützungen trotz der 
Rückzahlungsverpflichtung nur eine bestimmte Höhe — 
und zwar den Satz der Erwerbslosenfürsorge plus einer 
durchschnittlich gleichhohen Zusatzunterstützung. 
Gelegenheiten, ein neues Geschäft zu begründen, konn 
ten Kaufleute und Industrielle aus Mangel an Mitteln nicht 
ausnützen, trotzdem sie oft ein Vermögen ihr eigen nann-
	        
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