Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERÜNGSVERLAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  161
die  Vertriebenen  gestaltet.  Der  Entwurf  für  das  Eeichsnotopfer
  sah  eine  Besteuerung  auch  des  gesamten  Hausrats ­
  vor.  Durch  Verhandlungen  mit  dem  Eeichsfinanzministerium
  gelang  es  den  Vertriebenen,  daß  in  einem
besonderen  Paragraphen  in  dem  Gesetz  die  Bestimmung
aufgenommen  wurde,  daß  für  Deutsche,  die  durch  Einwirkungen ­
  des  Krieges  oder  infolge  der  Bestimmungen  des
Eriedensvertrages  ihren  Hausrat  verloren  haben,  bis  zu
50  000  M.  zur  Wiederbeschaifung  des  nötigsten  Hausrates ­
  durch  das  Eeichsnotopfer  nicht  betroffen  werden
sollten.  Dieser  §  60  blieb  stehen,  auch  nachdem  in  der
weiteren  Beratung  des  Gesetzes  die  Besteuerung  des  Hausrats ­
  überhaupt  gestrichen  worden  war.  So  besteht  heute
die  ungeheuerliche  Tatsache,  daß  der  elsaß-lothringische
Flüchtling  höchstenfalls  50000  M.  zur  Wiederbeschaffung
seines  verlorenen  Hausrates  steuerfrei  hat,  auch  wenn
der  verlorene  Hausrat  einen  Wert  von  100000  M.  hatte,
während  der  Inlandsdeutsche  einen  Hausrat  im  Werte
von  mehreren  100000  M.  nicht  zu  versteuern  braucht.
Solche  Sonderbehandlung  ist  nicht  die  erwünschte.
Von  dem  Augenblick  an,  wo  eine  angemessene  Entschädigung ­
  aller  Verluste  durchgeführt  ist,  wird  eine
gleiche  steuerliche  Belastung  der  vertriebenen  Elsaß-Lothringer
  mit  allen  anderen  Deutschen  als  Selbstverständ
lichkeit  erscheinen.  Leider  ist  dieser  Augenblick  noch
nicht  gekommen.  Und  dies  ist  der  Hauptgrund,  warum
noch  heute  die  Fürsorge  für  die  vertriebenen  Elsaß-Lothringer
  monatlich  Millionen  verschlingt.
Dieses  Hinauszögern  der  Entschädigung  läßt  sich
nicht  wieder  gutmachen.  Millionen  mußten  nur  aus  diesem
Grunde  für  die  unproduktive  Fürsorge  verausgabt  werden.
Summen,  die  vor  H/g  Jahren  noch  zum  Wiederaufbau  der
zerstörten  Existenzen  genügt  hätten,  sind  heute  nicht
mehr  ausreichend.  Die  Aushilfsmittel,  wie  nötigste  Hausratbeschaffung ­
  und  Darlehensgewährung  von  niedrigen  Beträgen, ­
  haben  einzelnen  Klassen  der  Vertriebenen  helfen
können,  für  viele  bedeuteten  sie  nur  ein  Überwasserhalten.
Die  Wartezeit  war  um  so  aufreibender  für  die  Vertriebe-!
  Ernst,  Eingliederung  d.  Elsaß-Lothr.  ins  deutsche  Wirtschaftsleben.  11
            
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