WANDERENGSVEELÄÜF UND GETEOPFENE MASSNAHMEN. 169
d. h. nicht die Wohnungsverhältnisse aller Klassen, und
nicht die Wohnungsbedingungen allerorten waren solche,
daß von einer Wohnungsnot gesprochen werden mußte,
sondern nur an einzelnen Stellen, in den Industriezentren,
und nur für einzelne Klassen, so vor allem für die Arbeiterklassen,
war die Wohnungsfrage in ein kritisches Stadium
getreten.
Heute haben wir in Deutschland — auch in den anderen
Ländern großenteils — eine allgemeine Wohnungsnot,
wie sie wohl ein Kulturvolk nie gekannt hat. In Stadt und
Land fehlt die Möglichkeit, die Bevölkerung zweckmäßig
unterzubringen. Wir haben bereits im zweiten Teil unserer
Untersuchung darauf hingewiesen, daß diese Wohnungsnot
durch das Stilliegen des Baugewerbes im Kriege und die
Unmöglichkeit seiner genügenden Wiederbelebung nach dem
Kriege infolge der ungeheuren Preissteigerung, d. h. unserer
Armut, verursacht worden ist.
Den vertriebenen Elsaß-Lothringern soll die Neugründung
der Existenz ermöglicht werden. Durch Anstellung
der Beamten, durch Ersatzleistung für die erlittenen Verluste
an die Angehörigen der freien Berufe, an die Selbständigen
in Landwirtschaft, Industrie und Handel, sowie
durch Arbeitsvermittlung für die Arbeiter und Angestellten
wird nur die eine Hälfte der Grundlage einer Existenz
geschaffen, die Arbeits- und Erwerbsmöglichkeit. Die
Wohngelegenheit muß hinzutreten.
Der Mangel an Wohnung tritt nun allerdings nicht
allein für die nach Deutschland neu Hinzuziehenden auf.
Jeder Deutsche, der seinen Wohnort oder auch nur seine
Wohnung am selben Ort aus beruflichen und anderen
Gründen ändern muß, leidet unter der Wohnungsnot. Reich,
Länder und Gemeinden suchen diesen Wohnungsmangel
durch Gewährung von Zuschüssen für Neubauten und Umbauten
von Häusern zu beheben, indem sie durch Baukostenzuschüsse
die Kosten und das Risiko für den privaten
Bauherrn so herunterzudrücken suchen, daß eine Wiederbelebung
des Baugewerbes ermöglicht wird. Über zwei
Milliarden Baukostenzuschüsse sind auf diese Weise schon