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III. HAÜPTTEEL.
Projekte aus dem Kreise der Flüchtlinge vorgefunden.
Sie hofft, durch deren Ausführung 700 vertriebeneFamilien
unterbringen zu können. Die Zahl der außerdem noch mit
Wohnung und Arbeit zu versehenden Familien wird auf
rund 2500 geschätzt.
Bei der Durchführung ihrer Siedelungstätigkeit wird
die Gesellschaft „Neue Heimat“ vor eine prinzipielle Frage
gestellt: soll sie geschlossene Siedelungen der Vertriebenen
anstreben, oder soll sie eine völlige Vermischung der Flücht
linge mit der ansässigen Bevölkerung herbeizuführen
suchen?
Unwillkürlich muß man an die Siedelungen Deutscher
in Kußland, Ungarn und anderen Ländern denken, in denen
sich über viele Generationen hinweg Sprache, deutsche
Art und die Erinnerung an das große deutsche Vaterland
erhalten haben. Und so möchte man wohl wünschen, daß
die Flüchtlinge aus Elsaß-Lothringen sich in geschlossenen
Siedelungen niederlassen, um Mittelpunkte der Erinnerung
an die verlorenen Keichslande zu bilden. Aber hier muß
erstens bedacht werden, daß die vertriebenen Elsaß-Loth
ringer sich in Deutschland nicht inmitten eines in Kultur
und Sprache fremden Volkes, sondern in ihrem eigenen
Vaterland niederlassen. Eine ausgesprochene Trennung
zwischen geschlossenen elsaß-lothringischen Siedelungen und
ihrer Umgebung wird infolgedessen keinesfalls eintreten.
Und die äußeren Wahrzeichen, die solche Niederlassungen
durch ihre Namen wie „Neu-Lothringen“ bilden, sind zum
Wachhalten der Erinnerung nicht nötig. Die vertriebenen
Elsaß-Lothringer werden ihre schöne Heimat nie vergessen.
Sie werden im Gegenteil dafür sorgen, daß jeder Deutsche
sich über die Bedeutung der elsaß-lothringischen Frage
klar wird. Ohne Haß und Rache zu säen, werden sie ihre
Pflicht nicht versäumen, für die wahre Selbstbestimmung
des deutschen Stammes zwischen Rhein und Wasgenwald
einzutreten. Sie werden um so wirksamere Arbeit leisten,
je mehr sie sich über ganz Deutschland verteilen. Doch
solche politische Erwägungen brauchen die Durchführung