Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WÄNDBEUNGSVEELAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  181

der  Siedelung  nicht  zu  beeinflussen.  Auf  die  oben  gestellte
Frage  gibt  es  kein  „entweder  f —  oder“,  sondern  nur  ein  „sowohl ­
  als  auch“.  Wie  es  die  besonderen  Bedürfnisse  verlangen, ­
  wird  einmal  eine  geschlossene  Siedelung  Vertriebener ­
  am  Platze  sein,  ein  anderesmal  ihre  Verteilung  unter
die  ansässige  Bevölkerung.  Finden  sich  die  Flüchtlinge
als  Elsaß-Lothringer  zusammen,  so  muß  ihnen  eine  neue
gemeinsame  Heimat  geschaffen  werden,  sucht  sich  der
einzelne  Vertriebene  auf  dem  Lande  oder  in  der  Stadt  ein
neues  Heim  zu  errichten,  so  darf  die  Hilfe  ebensowenig
ausbleiben.

Mit  andern  Worten;  die  Siedelungsaktion  muß  in
gleicher  Weise  individuell  gestaltet  sein,  wie  alle  übrige
Fürsorge  für  die  vertriebenen  Elsaß-Lothringer.  Während
heute  allgemein  in  Deutschland  die  Siedelungsunternehmen
das  Ziel  verfolgen  müssen,  die  Menschen  zu  sammeln,
die  aufs  Land  zurück  wollen,  und  aus  ihnen  einen  neuen,
starken  Bauernstand  zu  schaffen,  ist  es  die  Aufgabe  der
Siedelungsgesellschaft  für  die  elsaß-lothringischen  Vertriebenen, ­
  den  besonderen  Verhältnissen  jedes  Flüchtlings  Rechnung ­
  zu  tragen  und  entsprechend  zu  helfen.  Für  die  innere
Kolonisation  Deutschlands  ist  das  Ziel  die  stärkere  Besiedelung ­
  des  platten  Landes  zur  Steigerung  unserer  landwirtschaftlichen ­
  Produktion.  Die  Menschen  müssen  dieser
Aufgabe  entsprechend  ausgewählt  werden.  Für  die  Ansiedelung ­
  der  vertriebenen  Elsaß-Lothringer  sind  die
Menschen  das  Primäre.  Die  Flüchtlinge  seßhaft  zu  machen,
ist  das  Ziel.  Die  Art  und  Weise  der  Durchführung  dieser
Ansiedelung  muß  nach  der  besonderen  Lage  jedes  Einzelnen
erfolgen.  Allerdings  wird  keine  Möglichkeit  ungenützt
bleiben  dürfen,  auch  auf  dem  Gebiet  der  Ansiedelung  der
Flüchtlinge  aus  Elsaß-Lothringen  an  der  notwendigen  Reagrarisierung
  Deutschlands  im  weitesten  Sinne  mitzuwirken. ­


Daß  solches  Vorgehen  ,von  der  neugegründeten  Siedelungsgesellschaft ­
  für  die  vertriebenen  Elsaß-Lothringer
„Neue  Heimat“  beabsichtigt  ist,  geht  deutlich  aus  dem

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