Object: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Richard Burthogge. 
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historischen Bewegung und eines allgemeinen Grundgedankens, 
der sich nunmehr immer deutlicher zu entfalten und hervorzu- 
Ärängen beginnt. Um sich diesen Zusammenhang zu vergegen- 
wärtigen, muss man der Metaphysik des Geulinex ein Werk gegen- 
überstellen, das, wenngleich es aus völlig anderen.geschichtlichen 
and philosophischen Voraussetzungen hervorgewachsen ist, doch 
in allen Stücken ihr genaues sachliches Gegenbild ist. Richard 
Burthogges „Essay upon Reason and the Nature of spirits“, 
der im Jahre 1694, drei Jahre nach Geulinex’ Schrift, erschienen 
ist, ist den Geschichtsschreibern der Philosophie, bis auf die 
neueste Zeit, fast unbekannt geblieben. ‚Erst Georges Lyon hat 
in seiner aufschlussreichen Schrift über den Idealismus in Eng- 
land im 18, Jahrhundert auf dieses originelle und merkwürdige 
Werk hingewiesen und in ihm eine wichtige Vorstufe des Kantischen 
Kriticismus gesehen.) Wenn indes, diesem Urteil gemäss, Bur- 
thogges Werk völlig aus dem Rahmen und Umkreis seiner Um- 
gehung herausgehoben erscheint, so können wir, wenn wir seinen 
[nhalt nunmehr vom Standpunkt der allgemeinen Entwick- 
lung des Erkenntnisproblems betrachten, seinen Wert und seine 
geschichtliche Bedingtheit schärfer beurteilen und genauer um- 
grenzen. 
Es ist der Gedankenkreis der englischen Erfahrungs- 
philosophie, in den wir uns durch Burthogges Schrift äusser- 
lich zunächst versetzt sehen: das Werk ist Locke gewidmet, der 
als „einer der grössten Meister der Vernunft“ bezeichnet und ge- 
priesen wird. Die entscheidenden Hauptergebnisse der Schrift 
aber sind unabhängig von der Einwirkung Lockes gewonnen und 
‚ange Zeit vor dem ersten Erscheinen des „Essay on human 
anderstanding“ in einer früheren Schrift, dem „Organum vetus 
?t novum“ vom Jahre 1677, niedergelegt worden.%®) Der „Essay 
upon Reason“ knüpft an die früheren Untersuchungen an, indem 
er zunächst einen doppelten Gebrauch und eine doppelte Be- 
deutung des Terminus „Begriff“ (notion) feststellt. Wenn, im 
weiteren Sinne, der „Begriff“ einen beliebigen, fertigen und ab- 
gegrenzten Inhalt des Denkens bezeichnet, so bedeutet er, 
genauer und prägnanter gefasst, einen bestimmten „modus con- 
cipiendi‘“: ein Verfahren und einen gedanklichen Gesichts- 
punkt, unter dem der Geist die Gegenstände, die seiner Beur- 
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