Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERUNGSVORGANG  ELS.-LOTHE.  BEVÖLKEEUNGSGEÜPPEN.  67
stehen  die  oben  genannten  Berufe  außerhalb  jeder  größeren
zusammenfassenden  Organisation.  Ihre  Existenz  beruht
völlig  auf  ihrer  eigenen  Kraft,  sie  müssen  auf  dem  Wege
der  freien  Konkurrenz  einen  neuen  Erwerb  suchen  und
treten  als  Vertriebene  nur  durch  ihre  Entschädigungsforderung, ­
  die  sie  vom  Reich  für  den  Verlust  ihres  Vermögens ­
  verlangen,  sowie  durch  ihren  Anspruch  auf  Wohngelegenheit,
  in  Erscheinung.  Diese  Entschädigungsfrage
ist  zurzeit  in  ihrer  Lösung  begriffen.  Aus  den  Entschädigungsforderungen ­
  wird  sich  späterhin  eine  genaue  Berufsgliederung ­
  auch  dieser  Gruppen  der  Flüchtlinge  ergeben. ­
  Für  unsere  Betrachtung  besteht  kein  wesentlicher
Unterschied  zwischen  diesen  Berufen.  Sie  gehören  den
in  dem  von  uns  dargelegten  Sinne  unproduktiven  Berufen
an.  Beim  Eentnertum  muß  hierbei  noch  eine  besondere
Erklärung  erfolgen.  Es  wäre  gewiß  volkswirtschaftlich  als
eine  Kraftzufuhr  zu  bezeichnen,  wenn  durch  eine  Einwanderung ­
  unserem  Lande  größere  Kapitalmengen  zugeführt ­
  würden.  Auf  diese  Tatsache  wurde  bei  der  nach
Frankreich  im  Jahre  1871/73  aus  Elsaß-Lothringen  erfolgten ­
  Einwanderung  hingewiesen.  Aber  die  altdeutschen
Rentner,  die  heute  aus  Elsaß-Lothringen  nach  Deutschland
einwandern,  müssen  ihr  Hab  und  Gut  den  Franzosen
überlassen,  und  Deutschland  ist  nach  dem  Friedensvertrag
verpflichtet,  sie  zu  entschädigen.  So  erfolgt  keine  Stärkung
des  deutschen  Kapitalmarktes,  sondern  eine  Schwächung
auf  dem  Wege  über  Steuern.  Dasselbe  trifft  bei  allen
Kapitalbesitzern  unter  den  Vertriebenen  zu.
Aus  dem  Gesagten  geht  hervor,  daß  die  elsaß-lothringische ­
  Einwanderung  auch  mit  Rücksicht  auf  die  nötige
Umgruppierung  unserer  nationalen  Arbeitskräfte  zur  Urproduktion ­
  hin  mit  Ausnahme  einiger  Tausend  Bergarbeiter
keine  Stärkung  für  unsere  Volkswirtschaft  bedeutet.  Wie
wir  zu  Anfang  festgestellt  hatten,  daß  die  elsaß-lothringische ­
  Einwanderung  rein  quantitativ  betrachtet  in  ihrer
Bedeutung  durch  die  gleichzeitige  Rückwanderung  von
Ausländsdeutschen,  Kolonialdeutschen  und  von  Deutschen
aus  andern  Grenzlanden  nach  Deutschland  wächst,  so  wird
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